07.08.12 | „Es war sehr tragisch und ein erschreckendes Bild, welches ich nach dem Anruf der Kantonspolizei am vergangenen Montagmorgen in unserem Jagdrevier Kohlfirst angetroffen habe“, hält Jagdausseher Hansjörg Stephan fest. In einem mobilen Elektrozaun hatten sich zwei junge Rehböcke mit ihren Geweihen dermassen verfangen, dass sie sich nicht mehr selber aus dieser Notlage befreien konnten. Während der eine der beiden 2- bis 3-jährigen Böcke bereits bei seinem Eintreffen wahrscheinlich qualvoll verendet war, lebte der zweite noch und musste ebenfalls durch einen Fangschuss getötet werden. „Ich hatte dabei keine Chance, den Bock aus der entsprechenden Notlage lebend zu befreien“, fügt Stephan ergänzend bei. Durch den Kampf ums Überleben rissen sie den Zaun über eine längere Distanz weg, dass es immer mehr zu den schlussendlich dramatischen Verwicklungen kam. Das Fleisch beider Tiere war zudem nicht mehr geniessbar und musste als Kadaver entsorgt werden.
Der Umstand, dass sich gleich zwei Böcke verfangen haben, führt Stephan auf die aktuelle Brunftzeit des Rehwildes zurück, wo die weiblichen Tiere beschlagen werden. „Ich gehe davon aus, dass die beiden noch jüngeren Böcke in einen Einstandskampf verwickelt waren und so unglücklicherweise in den Zaun gelangt sind“, so Stephan.
Erlaubte Zäune
Grundsätzlich sind diese mobilen Elektrozäune erlaubt und werden insbesondere in der Schaf- und Ziegenhaltung, aber auch für Geflügel vielerorts verwendet. Die in der Regel aus Kunststoff angefertigten engmaschigen, auch als Flexinet-Zäune bezeichneten Systeme lassen sich einfach und rasch aufstellen und sind sehr wirkungsvoll. In diesen als eher relativ unstabil bezeichneten Weidennetzen können sich Wildtiere wie aber auch eingezäunte Tiere leicht verheddern. „Es ist wichtig, dass sie dabei sehr straf gespannt und korrekt aufgestellt werden“, betont Stephan. Grundsätzlich müssen diese Zäune aber auch wieder sofort entfernt werden, wenn man die Tiere umsiedelt und sie nicht mehr entsprechend benötigt werden. „Es reicht nicht, einfach den Strom abzustellen und ihn stehen zu lassen, was im aufgezeigten Ereignis leider der Fall war“, so der Jagdaufseher weiter. Er appelliert aber auch an alle, welche solche Zäune verwenden, dass man diese mit regelmässigen Kontrollgängen überwacht, um mögliche Aussergewöhnlichkeiten rasch zu erkennen. Zudem ist entlang von Waldrändern auch ein gewisser Abstand einzuhalten, damit dem Wild eine Möglichkeit zum Austritt aus dem Wald bleibt.
Autor: Roland Müller
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