31.10.08 | Erstmals lägen harte Fakten zum Einfluss des Wintersports auf die Wildfauna vor, teilte die Schweizerische Vogelwarte in Sempach am Freitag mit. Ein Forscherteam der Universität Bern und der Vogelwarte zeigte die negativen Auswirkungen von Outdoor-Aktivitäten auf die Wildtiere auf.
Die Entwicklung des Wintersports hat die Alpen stark verändert. Auf einst traditionell bewirtschaften Bergwiesen und Alpweiden entstehen immer mehr touristische Einrichtungen. Ein Netz von Seilbahnen und Skiliften prägt die Landschaft mit Masten und Drahtseilen. Dazu kommen Rodungen und Pistenplanierungen.
Um den Einfluss des Wintersports auf die Fauna zu untersuchen, wählten die Forscher das Birkhuhn. Der bedrohte Hühnervogel lebt das ganze Jahr in der oberen subalpinen Stufe, zwischen Wald und Alpwiesen, wo Alpenrosen, vereinzelt Tannen, Arven und Lärchen wachsen. Diese Zone weist auch viele Wintersportanlagen auf.
"Mehr Skilifte, weniger Birkhühner"
Auf 30 Untersuchungsflächen in den Walliser und Waadtländer Alpen zählten die Biologen die Birkhühner. Sie kartografierten den Lebensraum und die Wintersportanlagen. Daraus ergaben sich Daten über Beschaffenheit der Vegetation, bauliche Einrichtungen und Birkhuhn-Bestand.
Das Ergebnis lässt laut Vogelwarte nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig: Der Wintersport und die damit zusammenhängenden Einrichtungen sind ein wesentlicher, negativer Faktor für die Birkhuhn-Bestände. "Je mehr Skilifte, desto weniger Birkhühner".
In Skigebieten sind die Bestände 49 Prozent kleiner als in vergleichbaren Gebieten ohne Skilifte. Am Rande von Skigebieten liegt die Einbusse bei 18 Prozent. Der Einfluss von Skiliften ist bis auf eine Entfernung von 1500 Metern spürbar. 44 Prozent der Birkhuhn-Vorkommen sind wegen Skisporteinrichtungen geschwächt.
Vorschlag: Wildruhezonen
Die Forscher schätzen, dass der Skisport in der Nähe von Skianlagen allein für einen Bestandsrückgang von 15 Prozent verantwortlich ist. Dabei sind weitere Störungen ausserhalb der Anlagen, etwa durch Skiwanderungen und Schneeschuhlaufen, nicht berücksichtigt.
In der Anlage von Wildruhezonen in der Nähe von Skigebieten sehen die Forscher eine Möglichkeit zur Entschärfung des Problems. Auf nur wenigen Hektaren garantierten diese Rückzugsgebiete den Wildtieren die nötige Ruhe im Winter. In diese Zonen sollten im Winter keine Menschen eindringen.
Bei guter Planung könnten diese Ruhezonen für das Birkhuhn optimal gelegt werden, mit nur geringen Einschränkungen für den Wintersport, schreibt die Vogelwarte. Auch andere empfindliche Wildtiere könnten davon profitieren.
Quelle: sda
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