18.02.09 | In den Alpen liegt gegenwärtig vor allem in Südbünden, im Oberengadin und im Rheinwald überdurchschnittlich viel Schnee. Die monatelangen tiefen Temperaturen verschärfen die Situation zusätzlich. Vermehrt gelangen dabei geschwächte Wildtiere wie Rehe, Hirsche und Gämsen in die Nähe der Siedlungen. Je nach Verlauf des Winters in den nächsten Wochen ist in den erwähnten Gebieten mit einem erhöhten Fallwildanteil zu rechnen.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach einer Fütterung des Wildes. Die Fütterung bringt meist nicht den erwünschten Erfolg, da Wildtiere über natürliche Energiesparmechanismen verfügen. Energie gespart wird durch eine massive Reduktion des Stoffwechsels, einer Absenkung der peripheren Körpertemperatur, sowie durch geringere Aktivität im ungestörten Wintereinstand. Die Konzentration des Wildes um die Futterstellen und die Störung durch Unbefugte stehen im Widerspruch zu den erwähnten Sparmechanismen.
Dezentrale Fütterung mit artgerechter Nahrung
Höhere Fallwildzahlen in extremen Wintern sind kaum zu umgehen. Die Fütterung der Wildtiere oder gar der Einfang geschwächter Tiere in Siedlungsnähe ist eigentlich als Symptombekämpfung zu betrachten. Solche Aktionen werden jedoch von der Bevölkerung erwartet und machen nur aus ethischer Sicht Sinn. Eine dezentrale Fütterung, respektive Bereitstellung von natürlicher Nahrung, kann die Situation nur teilweise entschärfen. Die Wildhut hat im Februar in unbürokratischer Weise dank einer guten Zusammenarbeit mit dem Forstdienst und den Jägern, durch das Fällen von Bäumen und Sträuchern ein dezentrales Angebot natürlicher Äsung geschaffen. Notfütterungen sind in jedem Fall in Absprache zwischen den Organisationen der Jäger, des Forstes und der Wildhut zu koordinieren. Einzelne vor allem im Talboden im metertiefen Schnee fest sitzende und damit blockierte Tiere, wurden in teilweise spektakulären Aktionen eingefangen und in von ortsansässigen Bauern grosszügig zur Verfügung gestellte Ställe gebracht. Hier müssen diese mit viel Arbeitsaufwand bis zum Frühling mit artgerechter Nahrung wie Zweige und Wildheu durchgefüttert werden.
Wildruhezonen beachten
Das Wichtigste ist jedoch die unbedingte Ruhe in den Lebensräumen der Tiere, weil diese dadurch Energie sparen und ihre Fettreserven so am längsten halten können. Die immer häufigeren Beunruhigungen durch Wintersportler, Hornsucher und streunende Hunde bedeuten für das Wild eine tödliche Gefahr. Von zentraler Bedeutung für die Verhinderung von Wintersterben ist auch eine Bejagung der Wildbestände, welche diese an die Lebensräume anpasst.
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