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Kultur & Komfort - Jagdethik

Wir töten, was wir lieben

Die Frage, was gelebte Jagdkultur und damit vor allem die Ethik der Jagd bedeutet, bildete diesmal den Themenschwerpunkt der Feldkirchner Jagdrunde. Dahinter steckt eine grundsätzliche Erwägung: Wie gehen die Jägerinnen und Jäger mit der Tatsache um, dass sie beim Erlegen des Wildes töten, was sie lieben?

Schwierig zu erklären, aber Tatsache: Jäger töten, was sie gern haben und freuen sich darüber.

18.12.09 | Die Feldkirchner Jagdrunde, zu der der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), Prof. Dr. Jürgen Vocke, in unregelmässigen Abständen lädt, soll als ausgewählte Gesprächsrunde gesellschaftlicher Repräsentanten in ungezwungener Diskussion wichtige Aspekte der Jagd beleuchten. 


«Was erwartet die Gesellschaft von der Jagd», fragte Prof. Vocke in seiner  Begrüssung vor etwa 50 ausgesuchten  Gästen und Diskutanten, «und welches Selbstverständnis pflegt sie, was kann sie leisten? Jagd als blutrünstiges Edelhobby oder als gelebtes Bürgerengagement im Dienste für Natur und Gemeinwohl?» 


Schon in der Einführung wurde klar, dass die Jagd viel mehr ist als nur Trophäenkult und Wildbestandsregulierung: «Wir Jäger», so Vocke weiter, «betreiben die Jagd als Kultur. Diese ergeht sich eben nicht allein in der materiellen Nutzung von Wildtieren, sondern ist bei allem Nutzen für Grundeigentum, Gesellschaft und Kulturlandschaft immer auch ein Freiheitsraum, der uns hilft, den Alltag für kurze Zeit hinter uns zu lassen. Wo aber Freiheit besteht, dort gibt es selbstverständlich auch Verantwortung. Eine verantwortungsvolle Jagdausübung sind wir den Wildtieren und unserem Selbstverständnis als Jäger schuldig. Tierschutz und jagdlicher Anstand sind unerlässlich.» 


Schlechte Jäger -  die schlimmsten Jagdfeinde

In seinem weitausholenden Vortrag zum Thema «Das Erlegen des Wildes - Psychologie eines Jäger» - wurde Prof. Müller insofern sehr konkret, als er die wirklichen Feinde der Jagd in den schlechten Jägern sah. Jagd sei immer eine Gratwanderung zwischen Leidenschaft und Vernunft. Das Phänomen Jagd als Lebensform, so Müller, müsse bei guter und aufrichtiger Öffentlichkeitsarbeit sowohl von der Jägerei als auch von Politik und Gesellschaft akzeptiert werden. Sein Credo: «Wir lieben, was wir töten! Oder lieben wir, was wir töten? Indem sich Jagd immer zwischen Lust und Leidenschaft auf der einen, und Pflicht und Verpflichtung auf der anderen Seite abspiele und zu beweisen habe, müssen Jäger gleichermassen Advokaten der Wildtiere und der Lebensräume sein - und es bleiben!»


Dieter Stahmann fasste sein Thema zur Weidgerechtigkeit im folgenden Satz zusammen: «Der würdige Jäger findet seine Bestätigung und Erfüllung in einer würdevollen Behandlung des Wildes.» Der Völkerkundler Dr. Jean-Loup Rousselot zeigte anhand von Beispielen der Naturvölker - überwiegend der amerikanischen Ureinwohner - auf, dass die heutige deutsche Jägerei mit ihrem Brauchtum und ihrer gelebten Jagdkultur immer noch auf der Basis der Tierverehrung der Naturvölker stehe. So sei der «letzte Bissen» oder die Verehrung des erlegten Wildes beim Streckelegen, bei der Totenwacht und das Verblasen bis zu jenen jägerischen Ureinwohnern Amerikas zurückzuverfolgen.


Spannend und praxisnah ging es beim Thema «Rechte der Tiere» von Dr. Gero Kollmer zu. «Tiere haben keine Grundrechte», so Kollmer, «aber Rechte!» Und aus der Tierschutzgesetzgebung gehe auch hervor, dass das Töten von Tieren eben nicht zur «kommerziellen Sache verkommen dürfe». 


«Die Jagd und die Jagdkultur sind ein gutes Stück unserer Heimat», so Prof. Vocke in seinem Schlusswort. «Das zeigt auch der heutige Diskussionsabend, in dem insbesondere den nichtjagenden Teilnehmern klargeworden sein müsste, dass Jagd mehr ist als emotionsloses Totschiessen.»


Autor: Wolfram Martin




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