* Sohn des Erzählers, zur Zeit der Handlung etwa im Vorschulalter Roderich & Maximilian Götzfried: Bei Fuss, mein Sohn! 140 Seiten, € 19.95,Verlag Neumann-Neudamm
27.01.12 |
«Volltreffer» müssen verkauft oder abgegeben werden. Max* bekam beizeiten die nötigen Vorkenntnisse für seinen späteren Wildhandel. Diesem Handel gegenüber kannte Max ohnehin nie Skrupel. Einmal fuhren wir im Sommer zu einem Wildhändler mit zwei Böcken im Kofferraum. Die Häupter waren schon abgeschlagen, da die Böcke von Gästen geschossen worden waren. Der Wildhändler griff den erstbesten Wildkörper, um ihn zur Waage zu tragen.
«Stopp, den nicht!» tadelte ihn Max. «Das ist ein Jährling, den nehmen wir selber. Nur der alte Bock wird verkauft, gell Papa!» Enttäuscht musste sich daher der Fachmann den alten Bock schnappen, ein bekanntes Schicksal aller Wildhändler heutzutage. Die private Wildnachfrage ist doch sehr gewachsen, sodass nur noch wenig Wild und bei Weitem nicht das beste zu den Händlern gelangt.
Wenn wir aber schon einmal zum Wildhändler kamen, dann nutzte Max diese Gelegenheit zu einem ausführlichen Rundgang durch die Kühlhäuser, weil er dort oft tiefgefrorenes, starkes osteuropäisches Wild, das noch in der Decke und Schwarte war, zu sehen bekam. Im Herbst konnte er dann dort auch manchmal Wildgänse, Schnepfen und dergleichen bewundern. Der Wildhändler oder ich konnten ihm dabei dies oder das erklären und zeigen, sodass sich der Besuch in der Firma für beide, also für Max und mich, lohnte.Luden wir zu Hause einmal Wild aus der Decke aus oder streiften einen Fuchs, dann kommentierte Max unsere Arbeit so lange so laut, bis sich bei Helmuts Frisiersalon das Rückfenster öffnete. Unser Freund Helmut musste sich dann ohne Rücksicht auf seinen augenblicklichen Beschäftigungsgrad im Salon ausführlich die Erlegungsgeschichte des gerade behandelten Stückes anhören. Dabei verstand es sich von selbst, dass Max bei seinen Erzählungen den Plural Generalis wählte, also die «Wir-Form».
«Wir schossen den Fuchs da und da. Der Bock kam uns in den Toten Bergen ...» Max brachte sich immer mit ins Rampenlicht, zumal es Helmut meisterlich verstand, ihn dabei «drauf zu heben »,wie die Hessen sagen.
Kaninchen und Hasen wurden bei uns in der Küche auf dem Küchentisch zerwirkt. Max packte die Einzelteile in Plastikbeutel ab und Mama beschriftete sie. Diese Dreiteilung halten wir heute noch ein, sie hat sich bewährt und spart Zeit. Die Notwendigkeit möglichst schneller Wildbret Verwertung war so für Max von Anfang an eine Selbstverständlichkeit.
Autor: RODERICH GÖTZFRIED
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