21.06.10 | Zweimal hintereinander ist die Elefantendame «Sabu» aus dem Zirkus Knie ausgebüxt, zuerst in Zürich, dann in Wettingen. Wie gefährlich so etwas ist, kann ich nicht beurteilen. Mir scheint aber, dass die Gefahr bei einem Tier, das sich derart an Betrieb, Lärm und Menschen gewohnt ist wie ein Zirkuselefant, nicht sehr gross ist. Trotzdem haben die zuständigen Behörden richtig reagiert, um auf alles vorbereitet zu sein: Gemäss Medienberichten habe die Polizei unverzüglich zwei «Grosswildjäger» aufgeboten. Ich weiss es nicht, aber einiges spricht dafür, dass es sich dabei um Berufswildhüter der Stadt Zürich gehandelt haben muss.
Wie sorgfältig der verantwortliche Journalist recherchiert und welche Ahnung er von Jagd im Allgemeinen und Grosswildjagd im Besondern hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Vorfall zeigt aber exemplarisch etwas auf: Je weniger die Allgemeinheit über ein Sachgebiet, z.B. die Jagd, informiert und je emotionsbeladener das Thema ist, desto besser eignet es sich für plakative Darstellungen, auch wenn diese mit den tatsächlichen Gegebenheiten wenig bis nichts zu tun haben. Wenn man liest oder hört, welcher Stuss im Zusammenhang mit der Jagd oft von Journalisten verbreitet wird, dann fragt man sich, wie ernst diese ihren Auftrag zu «sachgerechter Information» nehmen.
Findiger (und fleissiger) sind Journalisten offenbar, wenn es darum geht, Auswüchse der Jagd (die es ja leider auch gibt) zu thematisieren. So wie etwa das Gratisblatt «20 Minuten», welches kürzlich eine fingierte Anfrage bei einem (offensichtlich nicht sehr seriösen) deutschen Jagdreiseanbieter publizierte. Dieser muss aber nicht nur unseriös, sondern offensichtlich auch ziemlich blöd sein: «Ich wollte schon immer mal mit meinem Armee-Sturmgewehr auf die Jagd. Kann ich das mitnehmen?», fragte der sich als Jagdinteressent ausgebende Journalist den Reiseanbieter, der unverhohlen zugab, dass er unter Umständen auch Jagden auf CITES-geschützte Tierarten anbieten könne. Selbst diese Frage beantwortete der Reiseanbieter, als ob es die normalste Sache der Welt wäre…
Es versteht sich leider schon fast von selbst, dass in dem Artikel von «20 Minuten», in welchem rund ein Dutzend Mal von «Jagd» und «Jäger» die Schreibe war, mit keiner Silbe erwähnt wurde, dass es sich dabei um einen Auswuchs handelt, den kein anständiger Schweizer Jäger gutheisst. Auch kam kein einziger Vertreter einer nachhaltigen und vertretbaren Jagd zu Wort. Entsprechend wurde denn auch in den Leserkommentaren das skandalöse Angebot aus Deutschland munter mit der «hierzulande üblichen Ermordung von armen Rehen, Hasen, Gämsen und Hirschen » vermischt.
Was kann man dazu sagen? Eigentlich nicht viel. Ausser, dass sich die Jägerschaft und ihre Funktionäre immer und überall bewusst sein sollten, auf welchem Informationsstand sich die Allgemeinheit in etwa befindet, wenn man mit ihr in eine Diskussion eintritt.
Autor: Fredy Kradolfer
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