18.12.09 | Zur Treibjagd wird heut angeblasen,
das Horn erschallt, der Jagdhund bellt.
«Neu sind dank Tierschutz alle Hasen
im Thurgau unter Schutz gestellt!»
«Auch Flugwild wolln wie stets wir schützen,
wenn auch der Häher laut uns narrt.
Es kann dem Jagderfolg nur nützen,
wenn keiner in den Himmel starrt!»
Die Stände werden eingenommen.
Herr Himmelberger, Pfeif’ im Mund,
ist fast am Ziel schon angekommen:
Da jault zum hohen Baum sein Hund.
Dort hat ein Greifer Platz genommen,
zum Znünibrot sich breit gemacht,
und unser Jäger sieht verschwommen,
die Sonne auf der Federpracht.
Der Greifer fühlt sich stark gestört.
Er hat die Ruhe sehr genossen,
die Jäger-Regeln nicht gehört
und glaubt, er werde abgeschossen.
So streicht er ab, das Znünibrot
in seinen starken, spitzen Krallen,
und segelt Richtung Morgenrot.
Er krächzt und lässt den Znüni fallen.
Es handelt sich um eine Taube,
die stark benommen fällt ins Nass,
entkommt dem Bache, läuft im Laube,
flügellahm, im Herzen Hass.
Der Jäger sieht den Vogel leiden.
Sein Herz wird schwer, fast muss er flennen.
Und kurz darauf sieht man die beiden
den Hang hinauf zum Hügel rennen.
Ein Hechtsprung macht der Hatz ein Ende,
der Vogel liegt in Jägers Hand,
und dieser zieht - gewohnt behende -
den Dolch aus seinem Jagdgewand.
Er sticht der Taube durch die Rippen
und trifft sofort das kleine Herz.
Es hauchen «Weidmannsheil» die Lippen,
der Vogel stirbt jetzt ohne Schmerz.
So hat der Jäger mit dem Greifer,
der ungewollt als Jagdfalk’ schlug
gekillt den Täuberich im Eifer,
was grossen Jagdruhm ihm eintrug.
Die Strecke wurde dadurch bunter,
und die Patrone war gespart.
Himmelberger: grosser Hunter,
Beförderung zum Falkenwart!
Autor: Hansjörg Lang
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