30.10.09 | Ladislaus «Laszlo» Graf Szapary (1910-1998) war einer der bekanntesten Gentleman-Schützen und -Jäger aus der alten, österreichisch-ungarischen Jagdaristokratie. Nicht immer deckten sich, zumal in den Krisenjahren der frühen Dreissiger, Lebensstil und Komfortansprüche mit den wirklich herrschenden Verhältnissen. Mit seiner frisch angetrauten Charlotte verbrachte er die Hochzeitsreise in Monte Carlo, bei den Lebendtauben-Turnieren. Man weilte dort für sechs Wochen. Vorsätzlich plante er auch, die anfallenden Spesen und den Hotelaufenthalt mit dem dort gewonnenen Preisgeld zu bezahlen und kalkulierte also fest damit, sich gleich am Anfang in die Preisgeldränge zu schiessen. Der Graf war tagsüber auf dem Lebendtauben-Platz, eben um zu «arbeiten». Gräfin Charlotte besuchte derweil, wer kann es ihr verdenken, gelegentlich das Casino, wo leider auch keine Gewinne anfielen. Nun, es wollte und wollte für ihn damals nicht so recht klappen. Nur mehr zwei Tage Turnier standen auf dem Plan, der Wettkampfzyklus neigte sich gegen Ende. (...)
Aus den Erinnerungen der Braut: «Laszlo wollte aber auch nicht nach Hause telegrafieren, um sich Geld anweisen zu lassen, es gab ja damals noch keine Kreditkarten. Also unser Notplan aus Budgetgründen - wir bestellten nur mehr ein Frühstück im Hotel aufs Zimmer, welches wir uns dann geteilt haben. Tagsüber ging ich auf den Markt, kaufte Salami und Obst, um unseren Speiseplan solcherart zu ergänzen. Einmal ist das Eingekaufte am Bett aufgelegt gewesen und der Oberkellner hatte gerade unser Solo-Frühstück gebracht. Es war eine peinliche Situation für mich, und ich sagte zu diesem erklärend und beruhigend, mein Mann, der Graf, habe von seinem Arzt eine sehr strenge Diät auferlegt bekommen. Weiters waren wir dort auch viel eingeladen. Das waren die kulinarischen Höhepunkte, auch an Quantität, in dieser Zeit. Sonst assen wir aus Kostengründen Schinken mit Ei in einem Beisl, das schon eher ausserhalb der Stadt gelegen war. Eine Freundin hat mich auch im Casino, um der Unterhaltung willen, mit ein paar Jetons versorgt. Dann herrschten eines Tages auf der Schiessanlage ein extrem böiger Wind und starker Regen, eine tückische Situation für die Schützen. Die Tauben waren jetzt extrem schnell und schwierig zu schiessen. Laszlo war an diesem Tag in seinem Element und in guter Form. Ich kam gerade hinzu, als er seine letzte Taube beschossen hatte und diese auch traf. Der Sieg ging an ihn, endlich! Jubel bei ihm, grosses Juhu bei mir. Er gewann damals einen stattlichen Geldpreis, und die Not hatte jetzt Gott sei Dank ein Ende. Ab jetzt gabs sofort zwei Frühstücke für uns. Laszlo konnte endlich auch Leute einladen und Trinkgelder geben. Auch gabs jetzt wieder Taschengeld für mich. Ich selbst habe dann in Monte Carlo zwei Hermès-Schals gekauft, einen davon als Geschenk für meine Mutter, den anderen für meine Schwester.
Dies ist eine von Dutzenden von Episoden, die Klaus Neuberger in seinem soeben erschienenen reich illustrierten Prachtband «Tolle Zeiten & grosse Jäger» erzählt. Es handelt sich um eine einmalige Jagddokumentation. Sie erzählt von bekannten Repräsentanten altösterreichischer Jagdgeschichte und der jagdlichen Hochblüte vergangener Tage. Wiedergegeben sind hier die Lebenserinnerungen und Erzählungen in Porträtform von grossen jagdlichen Originalen, von den «alten Herren», wie es die Verwandtschaft liebevoll ausdrückt. Die Geschichten wurden über ein Vierteljahrhundert aufgeschrieben, und berühmte Jäger erinnerten sich, noch tolle Zeiten erlebt zu haben. ISBN 978-3-902447-69-2 I, € 49,90 (ca. Fr. 75.-)
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