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Jagd & Umwelt - DIE AKTUELLE FRAGE

Unterstützen wir die Jungjäger ausreichend?

27.10.08 | Ich hatte in den vergangenen Jahren wiederholt Jungjäger, welche in der Regel unmittelbar vor der Jägerprüfung standen, zu einem eintägigen Reviergang eingeladen. Dabei habe ich ihnen die verschiedensten jagdpraktischen Szenen geschildert und sie diese anschliessend «laut denkend » in der Praxis ausführen lassen. Die Kandidaten absolvierten dabei in Form einer Selbstkontrolle eine Art Vorprüfung.


Was darf man von einem Jungjäger erwarten?

Viele Kandidaten wissen theoretisch über die Jagd sehr viel. Bei vielen ist das theoretische Detailwissen über die Wildtiere, die Jagdkunde etc. enorm. Trotzdem fehlen ihnen im Feld - trotz einem zweijährigen Lehrgang in einem Revier - elementare praktische Erfahrungen. Ich lasse beim angeführten Reviergang z. B. folgende Handlungen durch Jägerprüfungskandidaten ausführen. Welche Überlegungen, Festlegungen und Vorkehrungen führe ich aus, wenn ich einen mir zugewiesenen Stand auf der Schrotjagd in einer Waldparzelle beziehe? Wie richte ich mich auf dem Hochsitz ein, damit ich - wenn ein schussbares Tier austritt - einen sicheren Schuss antragen kann? Wie markiere ich einen Anschuss und welche Pirschzeichen erwarte ich?


Auch lasse ich einzelne Kandidaten mit einer Pistole oder einem Revolver auf einen toten Fuchs oder sonstiges Wildtier einen Fangschuss abgeben. Bewusst stifte ich dabei Unruhe, da in meinen Augen die Waffenhandhabung auch im Stress noch sicher ausgeführt werden sollte. Ergebnis: Diese Schussabgaben erinnern mich an die Pistolenschiessen mit Offizieren im WK. Bekanntlich konnten die wenigsten Offiziere mit ihrer Pistole sicher manipulieren - sie hatten keine Übung!


Auch das Ansprechen mit dem Feldstecher kann man sehr einfach schulen bzw. überprüfen. Ich stelle auf eine Distanz von 100 Meter vier verschiedene Rehböcke (nur das Haupt - vom Knopfbock bis zum Erntebock) auf und lasse diese von den Kandidaten mit ihren Feldstechern ansprechen. Sie erkennen sehr bald, dass wenige den Feldstecher geschweige denn das Spektiv richtig handhaben können. Die optischen Geräte nimmt man für die Beobachtung eines einzelnen Wildtieres anders in die Hände als für das Geniessen einer Landschaft. Der «Aha-Effekt» ist denn auch bei allen praktisch immer vorhanden. Der Unterschied ist doch frappant, ob man z. B. mit einem zehnfach vergrössernden Feldstecher freihändig oder ab Pirschstock bzw. an einen Baum angelehnt Details von Tieren anspricht!


Für erfahrene Jäger Selbstverständliches ist für den Jungjäger total neu. Die Ansicht, wonach die Jungjäger selber dies erlernen sollen, lehne ich in Anbetracht der Tatsache ab, da die Jungjäger schlussendlich auf Lebewesen schiessen und wir auch in der Ausbildung kein Anrecht auf einen Risikoschuss auf ein Lebewesen besitzen.


Die jagdlichen Aufgaben in den Revieren haben in den vergangenen Jahren stets zugenommen; der junge Weidmann ist ohne unsere praktische Hilfe in seiner neuen Umgebung überfordert. Nicht nur beim Aneignen der theoretischen Kenntnisse, sondern auch in der Praxis sollte er auf unsere Unterstützung zählen können.


Ausnahmsweise ein Blick zurück

Grundsätzlich vertrete ich die Ansicht, dass man in die Zukunft und nicht nostalgisch immer wieder zurückblicken sollte. Bei der Ausbildung der zukünftigen Jäger sollte man jedoch generell sich einmal auch daran erinnern, welchen Schwierigkeiten man selber beim Beginn seiner Jagdkarriere ausgesetzt war und wo man unsicher war bzw. auf Hilfe im Prinzip angewiesen gewesen wäre. Beim Abschuss von Wildtieren dürfen wir, wie bereits angeführt, in der Jagdausbildung kein Üben zulassen. Man muss dem Kandidaten also zeigen, wie man in freier Wildbahn einen sicheren Schuss ausführen kann; die Differenzen zum Standschiessen sind doch frappant. Wir müssen als Ausbilder in den Praktikumsjahren alles daran setzen, dass der zukünftige Jäger wenigstens das vermittelt erhält, was für einen sicheren Abschuss notwendig ist.


Bedeutung der Praktikumsjahre in der Jagdausbildung

Wir können nicht erwarten, dass unsere Jungjäger in den vielen Ausbildungskursen im Theoriesaal nebst dem «Büechliwissen» auch in all die vielen praktischen Details wie auch die vielen ungeschriebenen Gesetze auf unserer Jagd eingeführt werden. Die vielen Exkursionen sind wohl wertvoll, ersetzen aber die selbständige Jagdausübung nicht. Persönlich bin ich überzeugt, dass alle Jäger bei der Ausbildung unserer zukünftigen Jäger in den Revieren ein Vermehrtes tun sollten. Es genügt z. B. nicht, dem Jungjäger einen Rehbock, einen Fuchs oder einen Dachs zum Abschuss freizugeben.


Wir müssen die zukünftigen Jäger auf unseren Pirschgängen und Wildbeobachtungen mitnehmen und gemeinsam das Ansprechen von Wildtieren üben. Wenn wir einen Sprung Rehe vor uns haben, sollte jedes einzelne Tier auf Alter, Geschlecht und Besonderheiten angesprochen werden. Ist man nicht sicher, so darf auch der Ausbilder dazu stehen. Es fällt ihm dabei kein Zacken aus der Krone... Zu tun, als ob wir Altjäger alles sofort richtig ansprechen könnten, ist leider heute noch verbreitet. Beim Ansprechen von Rehwild erkennen viele «Blender» sofort jedes Schmalreh, aber bei der Schmalrehjagd mit Vorzeigepflicht im Frühsommer sind sie dann - vorsichtig ausgedrückt - sehr zurückhaltend.


Wir älteren Jäger haben uns im Laufe der Jahre eine gewisse Erfahrung im Ansprechen aneignen können, welche wir an die Jungjäger bei der Ausbildung im Revier weiter geben sollten. Persönlich kann der erfahrene Jäger sich auch jederzeit selber weiter fordern; ich schätze bei der Pirsch oder dem Ansitz vor dem Rehabschuss das Gewicht des zu erlegenden Tieres; beim Wägen erfolgt dann eine untrügerische Selbstkontrolle über meine «Ansprechkünste». Auch dazu ein kleines Beispiel: Ein Kandidat beobachtete auf einem Hochsitz wiederholt eine Geiss mit zwei Geisskitzen. Ich kannte diese Tiere auch. Ich gab dem vor der Jägerprüfung stehenden Kandidaten ein Geisskitz zum Abschuss frei und begleitete ihn - da er schon mehrere Abschüsse vornahm - bewusst nicht «hautnah» auf den Hochsitz. Voller Stolz meldete er mir per Natel den Geisskitz-Abschuss. Effektiv hatte er eine 19 kg schwere Rehgeiss erlegt, die zum Glück trocken war! Aus diesem Vorfall lernte auch ich sehr viel; in diesem Fall habe ich als Ausbilder offensichtlich versagt.


Ungeschriebene Gesetze für Jungjäger

Ich habe erfahren, dass viele Jungjäger im Anschluss an eine gute Jägerprüfung keinen Anschluss in der Jägerschaft fanden bzw. sich sehr schnell einen nur schwer wieder gutzumachenden Ruf wie «Knaller», «Schiesswütiger», unanständiger oder vorlauter Jäger etc. eingehandelt hatten. Es ist deshalb auch ratsam, dass die Ausbilder über die ungeschriebenen Gesetze auf der Jagd sprechen und die Jungjäger auf die entsprechenden Gefahren aufmerksam machen. Bei Gemeinschaftsjagden sind generell viele Augen auf die Jungjäger gerichtet. Vielleicht toleriert der eine Jäger in einem Trieb das erfolglose Beschiessen von zwei Rehen; in anderen Augen ist er jedoch bereits ein für die Zukunft abgestempelter «Knaller». Zurückhaltung und die Einhaltung allgemein üblicher Anstandsregeln wie Danke sagen, Verzicht auf Prahlereien etc. machen sich gerade für junge Jäger immer bezahlt. Aus erfahrenem Mund des Jagdausbilders im Revier ist ein entsprechender Hinweis hilfreich.


Erfahrene Jäger müssen Jagd-Zukunft selber mitgestalten

Ich höre die Kritik und die Ansicht älterer Jäger, dass unsere zukünftigen Jäger selber ihre Jagdausübung erarbeiten sollen. «Wir haben unsere Erfahrungen auch selber sammeln müssen!» In der heutigen Zeit, da die Jagd in den Revierkantonen immer mehr mitten im Erholungsraum unserer Bevölkerung ausgeübt werden muss, wird auch der Jungjäger stärker beobachtet und ist entsprechend stärker gefordert als noch vor zwanzig Jahren. Die Aufgaben der Jäger haben sich zudem stark erweitert. Wir tun gut daran, wenn wir unseren Zukunftsjägern in der Praxis deshalb vermehrt als früher beim Einleben in den Jagdalltag behilflich sind.


Autor: Max Straub



2 KOMMENTARE


Lucia Moreno
  Als ich vor 3 Jahren mit dem Hund zur Schweisshundeprüfung antrat, war ich noch keine Jägerin. Erst nach den erfolgreichen Prüfungen des Hundes stellte ich mich der Herausforderung "Jägerprüfung". Nun bin ich Jägerin und seit kurzen auch Pächterin, komme oft in verschiedenen Reviere und Jagdsituationen. Dennoch ist alles immer wieder neu. Es gibt als Jungjäger so vieles was man nur erfahren kann um in der Praxis bestehen zu können. Daher ist die sorgfälltige Begleitung eines Jägers zu einem "Fragenden", dass kann auch ein erfahrener Jäger sein, sicher etwas was zur Jadethik gehört. Wir können hegen und pflegen, jagen und segnen - aber wir können einen nicht sauber angebrachten Schuss Nie rückgänig machen. Deshalb, Danke an die vielen Helfer und geselligen Erfahrungsaustausche.
 
Ruth Bernhart
  Ihre Einstellung den Jungjägern gegenüber ist wünschenswert, sie brauchen die Unterstützung von den alten Hasen, wiederum bringen die Jungjäger, auch andere Ehrfahrungswerte ein da immer neuer Lernstoff eingebunden wird, auch ich zähle mich zu den Jungjägern. In verschiedenen Situationen, habe ich schon erlebt, das die gestandenen "Altjäger" sich schwertun mit den Veränderungen und den "Jungjägern" die nötige Verständniss nicht entgegen bringen. Nun ihre Einstellung ist gut den Jungjägern unter die Arme zu greifen. Ruth Bernhart
 

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