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Jagd & Umwelt - Frauen auf der Jagd

Keiner ahnte, was die Sekretärin plante...

Der Frauenanteil an den Jagenden steigt in allen grossen Jagdländern, also auch in der Schweiz und in Graubünden.

Margrith Ladner-Frei aus Grüsch im Prättigau mit bravem Rehbock...

...und als stolze Buchautorin mit gedruckter «Trophäe».

25.03.10 | Eine neue Zeit, eine neue Erfahrung sollte für mich anbrechen. Nun war ich während der Jagdzeit nicht mehr allein zu Hause und fieberte von Ferne nach der Jägerei. Das überliess ich jetzt meiner Mutter allein. Sie war ja da, und sie hatte immer heissen Kaffee, etwas Währschaftes zu essen, und wenn es sein musste trockene Ersatzkleider für die Jäger bereit. Etliche Jäger, wenn sie in der Nähe meines Elternhauses jagten, kehrten bei ihr ein und liessen sich verköstigen. Selbstverständlich fehlten bei einer solchen Einkehr das wohlverdiente Jägerschnäpsli und die selbstgebackenen Totenbeinli nicht.


Die ersten anderthalb Wochen war sie alleine. Mein Mann Hansjörg, Simon, Hitsch, unser Jagdkollege und ich gingen zusammen in die Hütte nach Fadür hinter Stels. Im Vorfeld der Jagdzeit richteten wir uns ein, bestückten unser Logis mit Verpflegung und Tranksame. Mein Mann und ich erkundeten auch vorher das Gelände. Er zeigte mir die verschiedenen Ansitze, informierte mich, welche Jäger wo ihre Posten hatten und wo die wichtigsten Wildwechsel stattfanden. Immer und immer wieder musste ich mich in die Wange kneifen. Ich konnte es einfach nicht glauben, dass ich am 1. September 2007 ganz alleine hier mit dem Gewehr auf die Pirsch gehen durfte. Es tauchten natürlich wieder Fragen über Fragen auf. Wie würde ich reagieren, wenn ich dann tatsächlich Anblick hatte? Würde ich auch genügend Zeit haben, das Tier anzusprechen (Jagdbarkeit beurteilen), und würde ich dann auch tatsächlich den Nerv haben, auf das Tier zu zielen und abzudrücken? Doch ich war fest überzeugt, dass ich das konnte. Ich war sehr gut vorbereitet und meine drei Jagdkollegen unternahmen alles, um mir die Jägerei so schmackhaft wie möglich zu machen.


Keiner weiss, was die Sekretärin plant

An meinem Arbeitsplatz hatte ich nichts davon erzählt, dass ich Jägerin werden wollte. Für meinen Chef und meine Mitarbeiter sollte dies dann eine Überraschung sein. Vorsorglicherweise hatte ich schon früh die Ferien eingeschrieben und hatte ganz harmlos erklärt, dass ich nun einmal im September drei Wochen Ferien machen möchte. «Fast wie die Jäger», spöttelte mein Vorgesetzter. Und ich dachte mir nur ganz verschmitzt: «Wenn du wüsstest …!» Als es dann so weit war, kaufte ich am Morgen knusprige Brötchen, und in der Kaffeepause wollten alle wissen, was es denn zu feiern gebe. Nun, ich spannte meine Bürokolleginnen und -kollegen noch etwas auf die Folter. Ich sagte ihnen, dass ich eine Prüfung bestanden hätte, und dass sie mal raten sollten, was das sein könnte. Von eidg. dipl. Buchhalterin, Treuhänderin, Personaltrainerin bis zur Finanzsupervisorin war alles dabei, nur das Richtige nicht. Als ich ihnen eröffnete, dass ich die Jagdprüfung gemacht hatte, fielen sie aus allen Wolken. Ja, ich behaupte, mein Chef wäre glatt hingefallen, wenn er nicht schon gesessen wäre. Man wusste zwar, dass ich eine urchige, naturverbundene Prättigauerin war, aber das hätte man mir dann doch nicht zugetraut. Dann gings los mit den immer wiederkehrenden Fragen, ob denn eine Frau auf ein Tier schiessen könne, und ob eine Frau ein Tier auch noch ausnehmen und mit all dem Blut hantieren könne. Meine Kollegin, eine Bernerin, war fast ein bisschen entsetzt. Sie liess sich zur Frage hinreissen: «Kannst du wirklich solch ein ‘Viech’ einfach abknallen?». Diese Aussage hob mich dann gerade ein paar Zentimeter vom Stuhl und ich erklärte ihr, dass eine Jägerin keine «Viecher», sondern Wildtiere erlege. Ich wies das Abknallen entschieden von mir und erklärte ihr, dass eine Jägerin einem jeden Tier einen waidgerechten Schuss antrage. Ich kam geradezu ins Feuer und erzählte meinen Mitarbeitenden, was eine gute Jägerin ausmache. Die Bernerin machte jetzt grosse Augen und sagte ziemlich kleinlaut, dass dies nach meinen Ausführungen ja ganz anders aussehe, als sie dies immer wahrgenommen hätte. Ja, wenn das so sei, dann sei das schon ein bisschen anders, und sie nahm es mir dann nicht mehr so übel, dass ich eine Jägerin bin. Nur als ich dann in unserem gemeinsamen Büro zu guter Letzt noch einen Wildkalender aufhängte, konnte sie sich eines ironischen Kommentars nicht enthalten. Den überhörte ich aber grosszügig, denn das Grün in meinem Herzen und der Tannenduft, den das Bild vom Rehbock im Wald in mir verbreitete, stimmte mich gutmütig.


Emotionen einer Jägerin

Margrith Ladner-Frei wurde am 10. Januar 1949 geboren und ist in Schiers-Schälleria im Prättigau aufgewachsen. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Grüsch. Schon als Kind wurde sie mit der Jagd und allem, was dazu gehört, vertraut. Es entwickelte sich ein grüner Mädchentraum, welchen die Schreiberin aus verschiedenen Gründen jedoch erst spät verwirklichte. In ihrem Buch erzählt sie aus ihrer Kindheit und erinnert sich an Begebenheiten und Geschichten, die sie als Mädchen auf der Jagd mit ihrem Vater (Tätä) erlebte. Den grünen Traum der Jägerin träumte sie während Jahrzehnten, bis schliesslich ein persönliches Ereignis Auslöser zu dessen Verwirklichung wurde. Was die in der Zwischenzeit in die Jahre gekommene Frau alles erlebte, welche Hindernisse und innere Barrieren sie überwinden musste, um zum Ziel zu gelangen, beschreibt sie dramatisch, zum Teil fantasievoll ausgeschmückt, aber immer basierend auf tatsächlichen, persönlichen Erlebnissen.


Margrith Ladner-Frei gibt in ihrem Buch Emotionen und Gefühle preis, gewährt Einblick in ihre Frauen- und Jägerinnen-Seele und lässt die Leserinnen und Leser teilhaben an spannenden, aber auch zum Nachdenken anregenden Aufzeichnungen und Gedanken.


Das hübsch ausgestattete Bändchen ist für Fr. 18.- zuzüglich Versandkosten zu beziehen bei

mladner-frei(at)bluewin.ch
Margrith Ladner-Frei
Winkelgassa 518, 7214 Grüsch




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