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Jagd & Umwelt - Öffentlichkeitsarbeit

Schaffhauser Allianz mobilisierte Tausende

Das Gemeinsame betonen, das Trennende stehen lassen - nach diesem Motto haben Schützer- und Nutzerorganisationen im Kanton Schaffhausen am letzten Maiwochenende eine gemeinsame Grossaktion für die breite Öffentlichkeit unternommen. Zusammen mit dem Forstverein Schaffhausen, der sein Hundertjähriges feierte, haben sie die «Tage der Biodiversität» durchgeführt. Trotz zeitweiligem Wetterpech waren sie ein voller Erfolg. Gegen 10 000 Menschen sind gekommen!

Die Hundeführer von Jagd Schaffhausen demonstrierten vor dicht gedrängten Reihen Gehorsam, Apportieren und Bauarbeit; von links Stephan Seelhofer mit Ayk, Alex Debrunner mit Bingo, Roman Bührer mit Boris und Duke.

Die Hundeführer von Jagd Schaffhausen demonstrierten vor dicht gedrängten Reihen Gehorsam, Apportieren und Bauarbeit; von links Stephan Seelhofer mit Ayk, Alex Debrunner mit Bingo, Roman Bührer mit Boris und Duke.

Sehen und mit den Sinnen erleben, was Säger und Schreiner aus Holz alles machen können...

Jägerpräsident Daniel Leu: «Im direkten Kontakt haben die Leute gemerkt, dass man mit den anderen ja normal reden kann.»

Barbara Gehring, Präsidentin des WWF Schaffhausen, steht hundertprozentig hinter der «Allianz für die Natur».

21.06.10 | Wo gibt es denn das? Im benachbarten Deutschland würden wohl Jäger und Förster kaum je gemeinsam an die Öffentlichkeit treten. Tierschützer und Fischer würden sich balgen, bis die Kormoranfedern fliegen. Und erst der WWF unter dem gleichen Dach wie die lokalen Schutzvereine - «auch in anderen Schweizer Regionen wäre das schwer denkbar», sagte Walter Vogelsanger, der OK-Präsident der Förster, der das Ganze zusammen mit dem Jägerpräsidenten und Biochemiker Daniel Leu inszeniert hat; Letzterer ist auch die treibende Kraft der regionalen «Allianz für die Natur», die unabhängig von Anlässen und Aktualitäten die gemeinsamen Interessen der Schützerund Nützerorganisationen vertritt.


Gedränge am Engeweiher

Die gemeinsame Einladung hatte Erfolg. Am strahlend schönen Samstag standen die Leute schon um 10 Uhr beim Forstgebäude am Engeweiher, obwohl das Programm erst um 13.30 Uhr begann. Die vereinten Kräfte der Forstleute und der Natur-Allianz hatten hervorragend mobilisiert. Auffallend war vor allem die grosse Zahl der jungen Familien mit Kindern. Die hatten an diesem Nachmittag freien Auslauf und das reine Paradies. Es gab nicht nur einen Kinderspielplatz, man konnte auch Bäume erklettern, sich als Tiger oder Löwe schminken lassen, Käfer, Vögel und Kräuter in natura und unter dem Mikroskop kennenlernen, selber Nistkästen bauen und mitnehmen. Drei Jäger demonstrierten mit ihren flotten Terriers die Baujagd, und in der Abenddämmerung wurden Fledermäuse zum Thema. Am Sonntag war ausserdem der Lernanhänger der Zürcher Jagdschutzvereine zu Gast.


Es war ein Fest für die Sinne. Man wurde nicht einfach mit Informationen zugeschüttet, sondern konnte selbst entdecken, manipulieren und werken. Und die Meisterholzer, die mit ihren Kettensägen fast ballettartig auftraten, sorgten für dramatische Akzente. Der Wald wurde in seiner ganzen Wertschöpfungskette erlebbar: vom Lebensraum für Kleinlebewesen und Wildtiere über die Nutz- und Erholungsfunktion und den Schutz bis zur sinnvollen Holzverarbeitung, die schliesslich damit endete, dass die Besucher plötzlich vor einem stilvollen Doppelbett, schönen Gartenmöbeln oder - typisch schaffhauserisch - einem Weidling aus einheimischem Holz standen.


Bloss e chlini Stadt...

Barbara Gehring vom WWF Schaffhausen teilte die Begeisterung von Dani Leu. «Es ist ein gemischtes Publikum; wir kommen hier an neue Leute heran, vor allem an junge Familien. Wir stellen uns gern auch als Teil der regionalen Allianz für die Natur dar.» Und wie gehen Sie mit Konflikten um? «Wir stellen in den Vordergrund, was uns verbindet. Über das andere diskutieren wir offen, und wir halten die Auseinandersetzung auf der Sachebene. Das funktioniert natürlich in einer relativ kleinen Region wie Schaffhausen, da kennt man einander fast schon vom Sandkasten her.»


Daniel Leu, als Jägerpräsident wie als Naturwissenschafter einer der Motoren der Allianz, bestätigt: «Am Anfang hörte ich mehr als einmal: Mit diesen Schafs.... machen wir sicher nichts. Also, es waren Vorurteile. Ich sah Mails von den Schutz-organisationen, bei denen genau dasselbe ablief: Das Problem zwischen den Fundamentalisten und den Praktikern besteht überall. Ich habe schon 2007, vor der ersten gemeinsamen Grossaktion auf dem Herrenacker, Stunden um Stunden mit Einzelabreibungen verbracht - und am Schluss sind viele zu mir gekommen und haben gesagt: Es war super, ich habe gar nicht gewusst, dass man mit denen ja reden kann!»


Die Kleinheit der Verhältnisse hilft, solch positive Ergebnisse zustande zu bringen

Die Schaffhauser «Allianz für die Natur» ist noch nicht zum Verein verfestigt. Aber die Verantwortlichen sind sich einig, dass es ein Minimum an Regeln braucht, z.B., dass an jedem Anlass von jeder Seite jemand dabei ist. Keine grosse Sache war das Budget. Für den Biodiversitäts-Teil haben Stadt, Kanton und Migros zusammen rund 20 000 Franken gegeben, die vorwiegend für die Werbung ausgegeben wurden. Für den ganzen Anlass wurden etwa 150 Helfer benötigt.


Allianz wird auch politisch wirksam

Walter Vogelsanger, OK-Präsident der Förster, betont: «Wir fördern die Zusammenarbeit in einer ganz lockeren Art und Weise. wir treffen uns ein- zweimal im Jahr, behandeln Traktanden miteinander oder sitzen einfach zusammen; wir besuchen uns gegenseitig an den GVs. das ist in diesem Ausmass einmalig in der Schweiz.» Offensichtlich ist: Mit diesen persönlichen und Vertrauen bildenden Kontakten wird auch die «Beisshemmung» eingebaut und die Diskussion versachlicht.


Vogelsanger: «Wir haben vor allem festgestellt, dass die Kenntnis der Natur bei den jungen Leuten bedenklich ist. Viele meinen tatsächlich, die Milch komme aus dem Tetrapack...»


Politisch hat das Miteinander der Schutz- und Nutzorganisationen natürlich viel mehr Gewicht als der einzelne Verein. Dani Leu: «Im Fall des Motocross von Oberhallau ist es uns gelungen, eine Mitsprache bei der Streckenführung und bei vielen wichtigen Organisationsdetails zu erreichen. Das ist ein erstes gutes Beispiel, aber mit Sicherheit nicht das letzte.» 


Autor: Karl Lüönd




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