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Jagd & Umwelt - Editorial

Den Bau verlassen und kämpfen

18.12.09 | Wenn der Bauhund einschlieft und angreift, sucht der Fuchs sein Heil in der Flucht und springt. Sein Risiko ist, dass auf ihn geschossen wird. Seine Chance ist, schneller zu sein oder zu entkommen, weil der Jäger schlecht schiesst. 


Der Schweizer Tierschutz greift die Baujagd an - und wenn sich die Jäger weiterhin so verhalten, wie sie es derzeit tun, werden sie die Füchse sein. Das Schrot wird nicht auf sich warten lassen. Noch zielen aber die Schützen nicht besonders gut.


Genug der Gleichnisse, reden wir Klartext! Die Baujagd ist eine tolle, passionierende Sache, ein Kulturgut, eine kynologische Notwendigkeit, ein Beitrag zur notwendigen Eindämmung der überbordenden Fuchsbestände und damit zur Wildgesundheit. Soweit die bisherige Argumentationslinie auf unserer Seite.


Der Tierschutz sieht das fundamental anders. Ob es uns passt oder nicht: Er will in der Eidgenössischen Jagdverordnung, die für das Jahr 2010 angekündigt ist, ein Verbot der Baujagd verankern. Wir Jäger wollen das mit Sicherheit nicht, obwohl auch viele von uns der Baujagd reserviert gegenüber stehen. Der Tierschutz wird nicht nachgeben, denn dieses Thema eignet sich blendend für die bildhafte Darstellung und damit für die Spendenwerbung - genau wie das Pinselohr des Luchses für die «Pro Natura». Und der Schweizer Tierschutz ist ein Haifisch auf dem Spendenmarkt - so erfolgreich, dass er entgegen dem ethischen Standard der Selbstkontrollorganisation ZEWO die Höhe seiner Einkünfte sorgfältig geheim hält.


Aber es geht jetzt um Argumente. Der Tierschutz hat sie auf zwei Ebenen geliefert: mit einer Meinungsumfrage - und mit einer Art Gutachten, welche die nach eigenem Bekunden unabhängige  Forschungs- und Beratungsgemeinschaft «SWILD» im Auftrag des Tierschutzes geschrieben hat. 


JAGD&NATUR geht auch in dieser heissen Frage direkt an die Quelle. Wir drucken ab Seite 28 dieses Gutachten im vollen Wortlaut unverändert und ohne redaktionelle Eingriffe ab. Denn wir halten es für wichtig, dass die Jäger die Argumentationslinie unserer Gegner ungefiltert und im Massstab 1:1 kennen. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir die in dem Text vertretenen Ansichten teilen.


Die Diskussion um die Baujagd ist eröffnet. Wer hat die besseren Argumente? Was spricht aus Jägersicht dafür, was dagegen? Herausgefordert ist insbesondere der Dachverband JagdSchweiz. Ihm hätte es gut angestanden, in dieser seit Langem absehbaren Kontroverse die Themenführung zu übernehmen, zum Beispiel durch ein eigenes Gutachten, wie es sich in der Grossraubtierfrage bewährt hat. Mit Sicherheit wird es nicht ausreichen, dass führende Funktionäre die Meinungsumfrage pauschal als «unseriös» und das Gutachten als «gekauft» diffamieren. 


Soweit meine bescheidenen Fachkenntnisse in Kommunikation und Demoskopie ausreichen, wurde die Meinungsforschung mit einem ausreichenden Befragungsmuster und nach den Regeln der Kunst durchgeführt. Das Institut GfK, das grösste seiner Art in der Schweiz, ist eine erstklassige Adresse. Das Problem sind natürlich die tendenziösen, suggestiven Fragen, welche die erwünschten Antworten schon vorwegnehmen.


«SWILD», häufig auch in jagdlichen Missionen unterwegs, hat intensiv über Füchse, Stadtfüchse usw. gearbeitet. Auch ein bezahltes Parteigutachten von dieser Seite ist ernst zu nehmen - ebenso ernst wie das juristische Gutachten Müller, das dem Verband JagdSchweiz eine gute Ausgangsposition im Seilziehen um die Jagdverordnung, Abteilung Grossraubtiere verschafft hat.  Die Jäger und ihr Dachverband müssen jetzt den Bau verlassen, springen - und kämpfen. Das geht nur mit Argumenten. Alles andere wäre Angstbeisserei.


Mit Weidmannsheil und sehr herzlich


Ihr Karl Lüönd



3 KOMMENTARE


Bernhard Trachsel
  Sehr geehrter Herr Lüönd
Bisher habe ich Sie als besonnenen Vermittler zwischen Befürwortern und Gegnern der Jagd oder einzelner ihrer Anwendungen erlebt. Hier aber erliegen Sie offensichtlich dem Reiz, zu polemisieren und die Tugend der Objektivität zu vergessen. Dass der STS ein Haifisch auf dem Spendenmarkt sei, ist reine Polemik. Dabei die ZEWO ins Spiel zu bringen, ist unfair. Denn aus ZEWO-Sicht sind Tierschutzorganisationen nicht gemeinnützig, weshalb sie das "Gütesiegel" bisher auch nicht erhalten können. Warum eigentlich nicht?
Wenn Baujagd Passion ist, dann entlarvt sie sich als Mittel zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Dass sie aber eine kynologische Notwendigkeit zur Regulierung des Fuchsbestandes sei, ist fachlich schlicht nicht haltbar.
 
Grob Josef
  So bald es um die Jagd geht, steigen Tierfreunde auf die Barrikaden. Von den Krankheiten die aus einem nicht kontrollierten Fuchsbestand aus gehen, wo Menschen betroffen werden wird kein Wort gesprochen. Sollen Staatsbeamten die Füches auf Friedhöfen ohne Waffen bekämpfen, und die Kosten durch Steuerzahler beglichen werden? Baujagd ist sicher, Ansitzjagd
ist sehr aufwendig und weniger wirkungsvoll, bei Treibjagden wird das Wild einem grösseren längerem Stress ausgesetzt und Nachsuchen sind öfters nötig. Wenn Raubwild in Grenzen gehalten werden muss sind gewisse Schattenseiten in kauf zu nehmen.J.G.
 
Claas Janssen
  http://www.nimrods.de/Was-bringt-die-Fuchsbejagung.htm
Hier wird deutlich was die Bejagung vom Fuchs bringen kann.
Hilfestellungen können wir sicher geben.
http://www.internationaler-baujagdverein.de/
Als Beispiel kann die WTE in Deutschland Angaben zum Einsatz von Bauhunden machen.
Zum Teil dürfte durch veränderte Prüfungsbedingungen erhebliche Kritik verringert werden.
Wichtig ist, dass nicht eine Prüfung in der Schliefenanlage gefordert wird und besonders der Satz:
Dass die Arbeit in Verbindung zu anderen Prüfungen zu einem weiteren Titel führt, ist zu vermeiden.
Übrigens gibt es viele Hunde die ohne jegliche Blessuren viele Erfolge haben. Leider besteht eine Neigung geschlagene Hunde als besondere herauszustellen und mit Fotos ins Netz zu stellen.
MFG Claas Janssen
 

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