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Jagd & Umwelt - Grossraubtiere

Das Baselbiet sucht den Wolf

Der Wolf wird im Baselbiet erwartet – vielleicht ist er sogar, wie der Luchs, schon da. In der nachrichtenschwachen Zeit zum Jahresbeginn hat er in der medial aufgeladener Atmosphäre der Region Basel seine Trittsiegel hinterlassen. Die neue «Tages Woche» war dem Wolf auf den Fersen. Wir zitieren auszugsweise:

26.01.12 | Vor rund 20 Jahren sorgte der «Wolf von Hägendorf» Schweiz weit für Schlagzeilen: Während drei Wochen streifte er im oberen Baselbiet und im Kanton Solothurn umher, ehe er am 15. Mai 1990 in einem Gebiet zwischen dem solothurnischen Hägendorf und Bärenwil bei Langenbruck erschossen wurde. Woher dieser Wolf kam, konnte bis heute nie geklärt werden. Das Auftauchen dieses Tieres blieb ein isoliertes Einzelereignis. Tatsache ist aber, dass sich der Wolf dem Jurabogen nähert.


Seit 2004 gibt es im französischen Jura, etwas nördlich von Bellegarde, gesicherte Wolfsnachweise. Zufallsbeobachtungen erfolgten im Jahr 2006 in der Ajoie und in den Jahren 2007 und 2008 im Solothurner Jura. «Solche Zufallsbeobachtungen sind immer mit etwas Vorsicht zu geniessen. Die Beobachter könnten sich auch getäuscht haben», erklärt Urs Tester von Pro Natura Schweiz. Aufgrund des Musters der Beobachtungen sei es aber gut möglich, dass sich in den genannten Jahren ein Wolf im Jurabogen aufgehalten habe: «Jedenfalls würde es mich nicht überraschen, wenn in absehbarer Zeit ein gesicherter Nachweis aus dem Schweizer Jura gemeldet würde.»


Einen Schritt weiter geht Urs Chrétien von der Pro Natura Baselland: «Vielleicht war der Wolf sogar schon hier, aber bis jetzt hat es noch niemand gemerkt. » Immerhin halte sich auch der Luchs schon seit längerer Zeit – zumindest sporadisch – im Kanton Baselland auf.

 
Könnten sich Wölfe hier gar auf Dauer niederlassen?

 
«Auch im Kanton Baselland können und werden Wölfe auftauchen», erklärt der eidgenössischer Jagdinspektor Reinhard Schnidrig. Der Wolf sei sehr anpassungsfähig und komme gut mit der heutigen Kulturlandschaft zurecht. Er brauche ruhige, abgelegene Gebiete (Wälder, Tobel) für die Fortpflanzung und genügend Nahrung (Wildhuftiere). Beide Voraussetzungen seien im Baselbiet vorhanden. Nach Ansicht von Reinhard Schnidrig wird sich der Wolf in der Schweiz in den Alpen, Voralpen und im Jurabogen Bestandes bildend – also mit Rudel und Fortpflanzung – verbreiten. Zudem sei es auch im Mittelland möglich, dass einzelne durchwandernde Wölfe bis vor die Tore der Städte auftauchen werden.

 
Es gibt im Raum Baselland Gebiete, die als Wolfshabitate in Frage kämen. Kristina Vogt von der Fachstelle Kora sagt: «Der Jura bietet einen guten Lebensraum für den Luchs und würde auch den Ansprüchen des Wolfes genügen. » Für Ignaz Bloch, Leiter des Veterinär-, Jagd- und Fischereiwesens im Kanton Baselland, kommen als mögliche Wolfshabitate im Baselbiet vor allem der Passwang sowie das Belchen- und Blauen Gebiet in Frage.

 
Das Problem von möglichen Störungen

 
Für Pascal Cueni, Präsident von Jagd Baselland, steht fest, dass die dichtbesiedelte Landschaft des Mittellandes dem Wolf keinen geeigneten Lebensraum biete. Grundsätzlich sollen seiner Ansicht nach aber auch Grossraubtiere im Baselbiet Platz haben, falls sie von selber kommen und keine anderen wildlebenden Tiere in ihrem Bestand gefährden.

 
Der letzte Baselbieter Wolf wurde 1807 Erschossen

 
Der Bündner Forstingenieur Tom Etter hat vor 20 Jahren in einer ETH-Diplomarbeit die Ausrottungsgeschichte des Wolfes in der Schweiz untersucht. Der frühester Eintrag für das Gebiet des Kantons Baselland stammt aus dem Jahre 1725: «Bauern wollen kein Wolfsgeld mehr zahlen.» Dies kann so gedeutet werden, dass Wölfe um diese Zeit nicht mehr als Bedrohung empfunden wurden. Vermutlich im Jahre 1807 wurden bei Sissach zwei Wölfe erlegt. Bis ins Jahr 1834 sind verschiedene Wolfsjagden belegt. Eine allerletzte entsprechende Meldung stammt aus dem Jahre 1867.

 
Wie Markus Ramseier von der Flurnamenforschung Baselland erklärt, gibt es im Baselbiet ein paar Dutzend Flurnamen, welche das einstige Vorkommen dieses Wildtieres in allen fünf Bezirken belegen. Dies macht deutlich, dass der Wolf früher im ganzen Baselbiet verbreitet war. Als ein paar Beispiele unter vielen seien erwähnt: Wolfstigi (Gelterkinden), Wolfsgraben (Itingen), Wolfhag (Arlesheim), Wolfgalgen (Kilchberg), Wolfsgruebe (Füllinsdorf), Wolfsholden (Liestal). Die Bezeichnungen deuten oft auf die damals wenig zimperlichen Jagdmethoden hin. Zum Einsatz gelangten unter anderem mit Ködern und Reisig bedeckte Wolfsgruben, spezielle Fangnetze, aber auch Galgen, an denen die erlegten Wölfe aufgehängt wurden.

 
Wie viel Fläche benötigen Wölfe?

 
Gemäss Auskunft von Urs Breitenmoser von der Fachstelle Kora Schweiz (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz) beträgt die Grösse eines Familien-Wohngebietes von Wölfen in den Südwestalpen rund 200 bis 400 Quadratkilometer.

 
Zum Vergleich: Die Wälder im Kanton Baselland bedecken eine Fläche von rund 220 Quadratkilometer. Ein Rudel im Gebiet der Südwestalpen umfasst im Mittel 4,4 Tiere. Rudel in Mittel- und Südeuropa sind tendenziell eben eher klein. Die Streifgebiete von Einzelwölfen betragen rund 50 Quadratkilometer bis mehrere Hundert Quadratkilometer. Bei den jungen Männchen, die jetzt in der Schweiz auftauchen (sogenannte Rover) sind das nur temporäre Wohngebiete. Diese Tiere können über riesige Flächen streifen. Siedlungen und Verkehrswege stellen für den Wolf grundsätzlich kein Wanderhindernis dar.

Der Wolf ist ein sich sehr heimlich verhaltendes Tier, welches dem Menschen grundsätzlich ausweicht. Trotzdem kann man nicht zu 100 Prozent ausschliessen, dass es unter Umständen zu einem Zwischenfall mit einem Menschen kommen könnte. Urs Breitenmoser von der Fachstelle Kora weist darauf hin, dass es einige wenige solche belegte Fälle geben. So gehe aus verschiedenen zuverlässigen Quellen hervor, dass eine Frau in Alaska und ein Mann in Kanada von einem Wolf getötet worden seien. Zwar kämen derartige Ereignisse extrem selten vor; grundsätzlich unmöglich seien sie aber dennoch nicht.




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