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Jagd & Umwelt - Editorial

«Aber nicht mit denen ...!» Aber klar doch!

21.06.10 | «Wenn ihr mit denen an einen Tisch sitzt, dann trete ich zurück!» Der altgediente Fischerkamerad, ein angesehener Mann in seinen Kreisen, sagte in Wirklichkeit nicht «mit denen», er verwendete ein unanständiges Wort, das mit «Schaf» anfängt und mit «S......» weitergeht.


Sehr viel später stellte sich heraus, dass es bei den Schutzorganisationen spiegelbildlich die gleichen Reaktionen gegeben hatte, freilich auf die Fischer und Jäger gerichtet.


Sie sassen dann trotzdem zusammen, die Schützer und Nutzer in der Region Schaffhausen, und sie handelten gemeinsam: Die Tier-, Natur- und Vogelschützer, der Rheinaubund, die kantonalen Verbände der Jäger und Fischer und - ja - auch der WWF. Sogar die Kräuterpädagoginnen Klettgau waren vertreten. Als Partner bei der Grossveranstaltung waren selbstverständlich auch die Förster und Waldbesitzer dabei.


Vor drei Jahren haben sie sich erstmals öffentlich in Szene gesetzt und nicht weniger als 15 000 Menschen zu einem prächtig gelungenen Schau- und Erlebnistag auf den Schaffhauser «Herrenacker » gelockt, was der wichtigste Platz der Stadt ist. Die Natur eroberte die Stadt. Dieses Mal war es umgekehrt. Die Stadt erkundete die Natur, beim idyllischen Engeweiher, wo der grosse Schaffhauser Forstbetrieb steht. Und wieder wurde es ein Grosserfolg.


Bei solchen Projekten kommt man sich näher. Man lernt sich kennen und schätzen, verkehrt nicht mehr schriftlich, sondern direkt und per Du. Dabei erleben die meisten, die offenen Sinnes sind: Die anderen sind ja auch normale Menschen; das sind - jedenfalls in der Mehrheit - keine «Schafs.....», sondern vernünftige Leute, mit denen man reden kann. Und eigentlich wollen wir ja alle dasselbe: eine Chance für die Natur und die wilden Tiere!


Was liegt näher, als eine solche Ad-hocZusammenarbeit zur Allianz zu verfestigen, die sich auch in die politische Diskussion einbringt und die dank grösserer Wasserverdrängung mehr bewegen kann als jedem Partner im Alleingang möglich wäre? In der Region Schaffhausen ist dies in den letzten drei Jahren und nach zwei geglückten öffentlichen und gemeinschaftlich organisierten Grossanlässen gelungen. Fischer und Vogelschützer haben sich auf der «LeuenbergerLinie» über die Bejagung der Kormorane geeinigt. Jäger und Förster haben sich ohnehin schon immer verstanden - manchmal knurrend, aber im Prinzip eigentlich immer sachgerecht. Gemeinsam hat man bereits den Veranstaltern eines Motocross-Grossanlasses die Knöpfe eingetan - und die Regierung konnte fast nicht anders, als auf den Forderungskatalog der vereinigten Schutz- und Nützerorganisationen einzugehen.


Die Verhältnisse im kleinen Schaffhausen haben zwei Vorteile: Erstens ist dort alles klein und übersichtlich genug, man kennt sich teilweise von Kindsbeinen an. Folglich ist - zweitens - kein Bedarf nach «professionellen» Funktionären auf beiden Seiten, die ja bekanntlich immer ein bisschen radikaler sein und vor allem tönen müssen als die Basis, weil sie inmitten von Idealisten die einzigen Lohnempfänger sind und einem permanenten Rechtfertigungszwang unterliegen.


Zur Nachahmung dringend empfohlen! Es lebe Schaffhausen, es lebe der gesunde Menschenverstand!


Mit Weidmannsheil und sehr herzlich


Ihr Karl Lüönd




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