26.07.10 | Auch dieses Jahr hat Hansruedi Felder, Inhaber des Felder Jagdhofs, auf dem Sustenpass ein Ballistikseminar veranstaltet. Auf über 2000 Metern über Meer lässt sich auf dem Militärschiessplatz Steingletscher der Schuss auf weite Distanzen trainieren. In der geschützten Moränenlandschaft stehen die Sicherheit und der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur
Das Schiesstraining auf dem Susten beginnt mit einem umfassenden Briefing. Die einen schiessen, die anderen bestimmen mittels Spektiv die Trefferlage. an erster Stelle. Ein Schiessplatzverantwortlicher überwacht deshalb jeweils das gesamte Training und garantiert einen einwandfreien Schiessbetrieb.
Ziel der Ballistikseminare ist nicht, möglichst weit schiessen zu lernen, sondern ein Gefühl für Waffe, Ballistik und eigene Schiessfertigkeit zu bekommen – vor allem für Gebirgs- und Auslandjäger eine wichtige Erfahrung. Allerdings kann auch ein Jäger aus dem Unterland in die Situation kommen, etwas weiter schiessen zu müssen. Zum Beispiel wenn es darum geht, ein krankes Tier zu erlösen.
Technik will beherrscht sein
Die Zielscheiben stehen, jeweils 50 Meter voneinander entfernt, auf Distanzen von 100 bis 300 Metern, auf 400 Metern Entfernung steht zudem eine Scheibe mit aufgedrucktem Hirsch. Es kann sitzend und liegend geschossen werden.
Im Zentrum steht der Umgang mit der eigenen Ausrüstung. Hansruedi Felder und Hanspeter Schoch, Verkaufsleiter von Zeiss Schweiz, stehen dabei mit Fachwissen und Tipps zur Seite. Die Firma Zeiss stellt jeweils auch die Spektive zur Verfügung, mit denen die Treffer vom Stand aus abgelesen werden können.
Mit dabei war dieses Jahr das neue PhotoScope, ein Spektiv mit einem Vergrösserungsbereich von 15- bis 45-fach und integrierter Digitalkamera. Damit lassen sich nicht nur die Trefferbilder, sondern auch die Berglandschaft gestochen scharf festhalten.
Gerade weil Waffen, Munition und Optik immer leistungsfähiger werden, ist eine Schulung durch Fachpersonen wichtig. Dank Absehen-Schnellverstellung lässt sich auch auf 400 Meter Fleck schiessen. Die Verstellung ist simpel und arretiert jeweils so, dass sie sich auch auf der Pirsch nicht mehr verstellen kann. Der Umgang mit diesen Hilfsmitteln will jedoch geübt sein. Und vor allem muss die Skalierung auf die verwendete Optik justiert und der verwendeten Laborierung
angepasst sein.
Theorie und Praxis
Viel Technik ist gerade auf der Jagd nicht jedermanns Sache. Man möchte den Kopf frei haben und sich nicht Gedanken machen müssen, wo das Geschoss bei einer bestimmten Entfernung einschlägt. Standardpatronen wie der .30-06 Spr. oder der 7x64 sind hier aber klar Grenzen gesetzt. Die Praxis zeigt, dass die Geschosse dieser Patronen ab 200 Metern rapide zu sinken beginnen. Ohne viel Erfahrung und einen Distanzmesser lässt sich mit ihnen auf 250 Meter kaum mehr treffen.
Zudem zeigte sich einmal mehr, dass Papier geduldig ist, auch wenn es um ballistische Daten geht. So sanken die Geschosse aus einer Büchse mit dem Kaliber 7x64 nicht wie angegeben 11 Zentimeter auf 200 Meter, sondern zwischen 17 und 21 Zentimeter. Der Grund: Die Herstellerangaben basieren auf optimalen Schiessbedingungen und oftmals auch auf langen Läufen.
Bei obigem Beispiel war der Testlauf des Patronenherstellers 65 Zentimeter lang, der Kursteilnehmer führte jedoch eine Büchse mit 9 Zentimeter kürzerem Lauf. Das Austesten der eigenen Waffe und der Munition ist deshalb unerlässlich. Nur so kann die tatsächliche Flugbahn des Geschosses ermittelt werden. Viel unberechenbarer ist allerdings der Seitenwind: Schon ein mässig starker kann auf 200 Meter eine seitliche Abdrift von über 10 Zentimetern bewirken.
Viel Dampf, wenig Rückstoss
Mit rasanteren Patronen wie beispielsweise der 8x68 ist es möglich, auch auf 250 Meter ohne Korrektur am Zielfernrohr ins «Lebendige» zu treffen. Der relativ starke Rückstoss lässt aber viele zurückschrecken. Die neuen Magnum-Patronen der Blaser Jagdwaffen GmbH schaffen hier Abhilfe. Laut Hersteller sollen die nicht nur die Kraft und die gestreckte Flugbahn von Magnumpatronen haben, sondern auch mit weniger Rückstoss auskommen. Hansruedi Felder wollte es genau wissen und stellte Munition im Kaliber 7 mm Blaser Magnum sowie .338 Blaser Magnum mit den dazugehörigen Waffen zu Testzwecken zur Verfügung.
Um es vorweg zu nehmen: Auch Skeptiker liessen sich überzeugen. Die ballistischen Daten der Blaser Patronen stimmten exakt mit den Schiessergebnissen überein. Mit einer GEE von 202 Metern ist die 7 mm Blaser Magnum besonders für Gebirgsjäger interessant.
Eingeschossen auf 4 Zentimeter Hochschuss (GEE) sank ihr Geschoss, ein Nosler-Accu-Bond mit 9.1 Gramm, auf 250 Meter gerade mal 7 Zentimeter – genau wie auf der Packung angegeben. Und der Rückstoss war auch aus einer leichten Kipplaufbüchse (K95) gut beherrschbar. In Kantonen mit einer 200- oder 250-Meter-Distanzgrenze spielt diese Patrone ihre Qualitäten voll aus.
Über die gesamte erlaubte Schiessdistanz braucht sich der Jäger keine Gedanken über die Flugbahn zu machen, er braucht nur Fleck zu halten. Ebenfalls bei der .338 Blaser Magnum stimmten die Angaben mit der Realität überein. Ihre 13 Gramm schweren Nosler-Accu-Bond-Geschosse haben eine GEE von 188 Meter und bringen auf 200 Meter noch über 4000 J ins Ziel – und das für den Schützen nahezu schmerzfrei.
Das nächste Ballistikseminar findet im Juni oder Juli 2011 statt. Interessenten melden sich beim Felder Jagdhof (www.felder-jagdhof.ch)
Autor: RAPHAEL HEGGLIN
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