30.10.09 | Die Siedlungsentwässerung und die Abwasserreinigung hat in der Schweiz einen sehr hohen Standard. Der Gewässerzustand hat sich in den letzten 30 Jahren stark verbessert. Viele Gewässer sind so sauber - sprich nährstoffreduziert - dass sich manch ein Fischer die alten Zeiten zurückwünscht, als noch die lokale Metzgerei ihre ganzen Abfälle den Fluss hinunter liess, diesen damit düngte und ihm so deutlich höhere Fischbestände als heute bescherte. In der Tat wurde und wird das Abwasser heute noch vor allem von der groben organischen Belastung, von den Nährstoffen, gereinigt. Doch wo heute sauberes und klares Wasser fliesst, können problematische Spurenstoffe, sogenannte Mikroverunreinigungen, im vordergründig sauberen Wasser zu Tale fliessen.
Mikroverunreinigungen schwer Nachweisbar
Diese Mikroverunreinigungen kommen in so geringen Konzentrationen vor, dass sie oft hart an der Nachweisgrenze sind oder sogar darunter. Ihre Herkunft ist sehr vielfältig; es wird geschätzt, dass in Industrie, Bau und Haushalt weltweit rund 200 000 chemische Stoffe verwendet werden; allein in der Schweiz sind rund 30 000 Stoffe im täglichen Gebrauch. Darunter fallen beispielsweise Pflanzenschutzmittel, Biozide, Pharmaka oder Inhaltstoffe von Körperpflegeprodukten oder Reinigungsmitteln. In die Gewässer gelangen diese sowohl über die Siedlungsentwässerung als auch über diffuse Emissionen wie beispielsweise die Landwirtschaft. Die Stoffe der Mikroverunreinigungen passieren die Abwasserreinigungsanlagen (ARA) häufig unverändert. Auch leicht abbaubare Stoffe gelangen zeitweise via Regenentlastungen in die Gewässer oder werden in ARA, die nicht auf dem neusten Stand der Technik sind, nur unvollständig abgebaut. Entwässern mehrere ARA in dasselbe Gewässer, kann es zu einer Akkumulation von Mikroverunreinigungen entlang der Fliessstrecke kommen.
Gereinigtes Abwasser kann Fischbestände beeinträchtigen
Das Projekt «Fischnetz», welches von 1999 bis 2004 den Rückgang der Bachforellenbestände nachging, fand starke Hinweise für die negative Wirkung von teilweise nicht identifizierten Wasserinhaltsstoffen auf die Fischpopulationen. In mehreren Fällen konnte der negative Einfluss von eingeleitetem ARA-Wasser in ein Fliessgewässer nachgewiesen werden, indem Fische oder Fischeier oberhalb und unterhalb von ARA-Einleitungen untersucht und verglichen wurden (vgl. Kästchen). In Laborversuchen konnte gezeigt werden, dass gewisse Stoffe bereits in kleinsten Konzentrationen negativ auf die Fischgesundheit einwirken können. Die Hormonaktivität von gewissen Mikroverunreinigungen konnte auch im Nationalen Forschungsprojekt NFP 50 nachgewiesen werden.
Spurenstoffe können allein oder in Kombination wirken
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