27.11.09 | Vieles habe ich von meinem Lehrmeister Johann Sabo gelernt und nahezu alles umgesetzt. Nur eines nicht - seine Angelabstinenz von November bis Februar. Mich zieht es immer ans Wasser und dafür ist mir kein Wetter zu schlecht. Und der Winter bietet auch so manchen Vorteil: Segler und Surfer sind verschwunden. Auch die Zahl der neugierigen Spaziergänger hat sich drastisch verringert. Ich geniesse diese Ruhe! Unsere Chancen auf einen Fang sind gar nicht so schlecht. Die Kleinfische haben sich in Deckung verzogen und die Räuber ziehen immer häufiger mit knurrendem Magen umher. Entsprechend steigen unsere Aussichten, mit der Spinn- oder Schlepprute Erfolg zu haben. Aber wir dürfen nicht nur auf Hecht, Zander und Egli hoffen, nein, auch die klassischen Winterfische Huchen und Trüsche sind in unserem Fokus. Und wenn der See zufriert, wartet mit dem Eisangeln etwas ganz Besonderes auf uns.
Fein auf Schwalen
Wenn das Flusswasser kalt wird, ziehen viele Fische in Häfen und Altarme, denn sie müssen infolge Reduktion der Nahrung mit ihren Energien haushalten. Besonders die grossen Rotaugen werden von Hafenanlagen geradezu magisch angezogen. Beim Verladen der Schiffe fällt immer wieder einmal etwas Fressbares ins Wasser. Sie sammeln sich an den tiefsten Stellen. Wer mit feinster Ausrüstung stippt, 10er Hauptschnur und 8er Vorfach, dazu ein dünner Zapfen mit einer Tragkraft von 0,75 bis 1 Gramm, hat gute Fangchancen. Natürlich nur mit einem Topköder. Hanf! Diese Körner imitieren Kleinschnecken und -muscheln, häufige Nahrung der Schwalen im Winter. Ausserdem besitzt Hanf durch seine Ölhaltigkeit eine abführende Wirkung. Trotzdem empfiehlt es sich, nur ein wenig Lockfutter mit Hanfkörnern einzuwerfen. Speziell Schwalen mit einem Gewicht über einem Pfund lieben diesen Köder. Und weil er kaum noch Verwendung findet, darf der Winterstipper im Hafen auf gute Fänge hoffen.
Die Trüsche - ein klassischer Winterfisch
Ein klassischer Winterfisch ist die Trüsche. Je kälter das Wasser, desto fressaktiver wird dieser einzige Vertreter der Dorschartigen im Süsswasser. Trüschen lieben Deckung, am liebsten ein Dach über dem Kopf. Steine, Felsen, abgestorbene Baumstümpfe und versunkenes Holzwerk ziehen sie magnetisch an. schätzbarer Vorteil bei Nacht und im Winter.
Ab aufs Eis...
In Russland und Skandinavien ist es ein Volkssport, und auch in der Schweiz zieht so mancher hinaus auf die zugefrorenen Seen und Weiher. In der Tat ist es faszinierend, über den Fischen zu stehen und sie aus dem Eisloch zu ziehen. Sehr genau kann ich mich noch an meinen ersten Versuch in diesem Metier erinnern. An einem Februarsamstag 1978 zog ich los. Vom Ufer aus schlug ich mit einem Beil ein Loch ins Eis und mass die Dicke. 15 cm, völlig ausreichend, um ohne die Angst des Einbrechens weiterzumachen. Ich wählte eine Stelle, wo der Grund etwas tiefer war als in der Umgebung und bot eine Weissbrotflocke an kleinster Stachelschweinpose an. Der 18er-Haken und das 8erVorfach vervollständigten meine extrem feine Ausrüstung. Ab und an rieselte eine Brotflocke das Eisloch hinunter und sollte Aufmerksamkeit erregen. Aber mehr als zwei Stunden geschah überhaupt nichts. Immer wieder bildete sich Eis und musste mit einem Löffel entfernt werden, das war meine einzige Aktivität. Gerade als ich mir einzugestehen begann, dass das Eisfischen wohl an meinem kleinen See nicht erfolgreich sein würde, bewegte sich das rote Köpfchen meines Minizapfens. Hatte ich mich getäuscht, ein Windhauch vielleicht? Nein, kein Zweifel, da zupfte jemand an meinem Köder. Was war das für ein Glücksgefühl, als ich eine Schwale hochziehen konnte! Fünf weitere folgten noch, dann ging die Wintersonne unter und es wurde bitterkalt. Zeit, heimzukehren mit dem Glücksgefühl, dass mein Experiment Eisangeln geglückt war. Seitdem kann ich es kaum erwarten, wenn der Wetterbericht strengen Frost bei Nacht und Minustemperaturen auch bei Tag vorhersagt.
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