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Fisch und Fang - Fangfrisch

Vorläufig kein Nährstoffmanagement im Brienzersee

Die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern präsentierte und kommentierte Anfang November einen 43-seitigen Untersuchungsbericht zur Entwicklung des Brienzersees seit 1999, dem Jahr, als die Fischfänge plötzlich stark einbrachen.

Der extrem nährstoffarme Brienzersee produziert nur noch wenig Fischbiomasse. Er beherbergt gleichwohl eine hohe Artenvielfalt.

23.11.11 | Im Brienzersee hat der wichtigste Algennährstoff Phosphor in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Dies als gewolltes Ergebnis der bundesrechtlichen Gewässerschutzmassnahmen im Einzugsgebiet und des seit dem Jahr 1986 geltenden Phosphatverbots in Waschmitteln. Schon immer ein karges Alpenrandgewässer, weist der Brienzersee heute die tiefste Phosphorkonzentration aller grösseren Schweizer Seen auf. Damit nähert er sich bezüglich des Phosphateintrags wieder einem natürlicheren Zustand.

Während sich die Menge der Algen seit dem Jahr 1999 nicht markant verändert hat, schwankt diejenige des Zooplanktons stärker. Insbesondere fehlen, wie schon im Hochwasserjahr 1999, seit 2008 die Blattfusskrebse (Wasserflöhe) im Brienzersee fast vollständig. Das Ausbleiben dieser für Fische sehr wichtigen Futterorganismen hat Konsequenzen für den Fischbestand. Namentlich die beiden Felchenarten «Felchen » und «Brienzlig» wachsen heute viel langsamer. Waren vierjährige Brienzlige im Jahr 1995 noch ungefähr 26 cm lang, erreichen sie heute noch eine Länge von ungefähr 18 cm. Der Fangaufwand der Berufsfischer hat dadurch markant zugenommen. Der Jahresfangertrag von Berufs- und Angelfischern ist mit 1–2 kg/ha auf das mit Abstand tiefste Niveau aller grösseren Schweizer Seen gesunken. Zum Vergleich: Im deutlich nährstoffreicheren Bielersee erzielen allein die Berufsfischer einen Jahresertrag von 40–50 kg/ ha. Als Folge dieser Entwicklung hat seit dem Jahr 1995 die Anzahl der Berufsfischer am Brienzersee von fünf auf noch zwei abgenommen.

Der starke Rückgang der Fangerträge im Vergleich zu den ertragreichen 1970erund 1980er-Jahre hat in Fischereikreisen die Frage aufkommen lassen, ob diese Entwicklung nicht mit einer reduzierten Phosphatfällung in den Kläranlagen gebremst werden könnte. Da die Gewässerschutzvorschriften mehrheitlich auf bundesrechtlichen Vorgaben basieren, müsste der Bund zuerst die diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen anpassen, bevor der Kanton aktiv werden könnte. Dazu kommt, dass die Wirkung der Massnahmen unter Experten umstritten ist und auch zu einer Erhöhung der jährlichen Betriebskosten der Kläranlagen im Einzugsgebiet des Brienzersees führen würde. Das Fischereiinspektorat und das Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern haben daher entschieden, keine Massnahmen zu ergreifen, welche die bisherigen Anstrengungen für den Gewässerschutz in Frage stellen. Die Entwicklung im Brienzersee soll allerdings weiterhin genau verfolgt werden. (zvg)




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