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Biologie und Jagdtechnik - Wald

«Unordnung» im Wald ist wildbiologisch wichtig!

Immer wieder hört man in Jägerkreisen kritische Stimmen über herumliegendes Holz in unseren Wäldern. Nicht selten bezeichnet man diese Wälder als unordentlich und bedenkt nicht, dass das Totholz auch bedeutende wildbiologische Aufgaben zu erfüllen hat.

Aufräumen oder liegen lassen? Eigentlich eine falsch gestellte Frage, denn Totholz hat einen tieferen Sinn.

Wie die Natur arbeitet...

Der schwarze Specht, er klopft schon recht...

Dank totem Holz findet der Baummarder Einstand und Lebensraum.

27.06.08 | Förster und Waldbesitzer werden wegen dem Totholz häufig «angezündet». Viele ältere Jäger haben noch die alten Wälder im Kopf,wo das umherliegende Holz als Brennholz verwendet wurde und der Wald noch einen aufgeräumten, ja «geputzten» Eindruck hinterliess. Es war früher der Stolz jedes Waldbesitzers, einen «schönen» und aufgeräumten Wald zu präsentieren; viele lebten mit ihrem Wald auch einem gewissen «Gärtchendenken» nach. Dabei ist auch Totholz für die Wildtiere von grosser Bedeutung.


Lebensraum benötigt Totholz

Als Totholz werden abgestorbene, noch stehende oder umgefallene Bäume bezeichnet;das am Boden liegende Holz wird häufig auch als Moderholz bezeichnet. Als besonders wertvoll wird das noch stehende Totholz eingeschätzt. Extrem viele Organismen nutzen dieses tote Holz, und es entstehen zwischen den Pilzen, Insekten, Vögeln und Wildtieren eigentliche Lebensgemeinschaften und Abhängigkeiten. Grösseren Tieren bietet Totholz die Möglichkeit zum Anlegen von Höhlen, Bauten und Nestern. Besonders die Spechte legen häufig Höhlen an,welche anschliessend von vielen anderen Tieren als Nistplätze verwendet werden wie z.B.Waldkauz, Hohltaube, Siebenschläfer, Eichhörnchen, Baummarder.


Bestandesentwicklung von Schwarzspecht und Baummarder

Ich habe in den vergangenen Jahren verschiedene Wälder kennen gelernt, wo die früher eher seltenen Schwarzspechte wie auch der Baummarder (auch Edelmarder genannt) sich im Bestand stark entwickelten. Abklärungen zeigten:In all diesen Wäldern mit einem hohen Bestand an Schwarzspechten und Baummardern wurde in den vergangenen Jahren zielgerichtet der Totholzanteil gefördert.


Der Schwarzspecht, gut zu erkennen am schwarzen Gefieder und das Männchen zusätzlich am roten Scheitel,ist ein ausgesprochener Waldvogel und darauf angewiesen, dass er in alten Baumbeständen Höhlen bauen kann. Er benutzt dazu neben Buchen auch Nadelbäume wie Tannen,Fichten und Kiefern. In verschiedenen Arbeiten ist umschrieben worden, dass der Schwarzspechtbestand direkt abhängig ist von der Möglichkeit, Höhlen zu bauen, wie selbstverständlich auch von der Nahrungsbasis (Insektendichte). Von Schwarzspechten verlassene Höhlen werden später gerne von Siebenschläfern und Baummardern wie auch Nachtraubvögeln (Waldkauz, Waldohreulen etc.) weiter verwendet.


Der Baummarder lebt im Gegensatz zum verwandten Steinmarder praktisch ausschliesslich im Wald. Er ist ein geübter Kletterer und springt mit Leichtigkeit von Baum zu Baum. Baummarder sind sowohl tag- als auch nachtaktiv. Zu ihrem Nahrungsspektrum gehören neben Kleinsäugern wie z.B. Eichhörnchen vor allem auch Vögel. Sie verspeisen auch sehr gerne kleine Früchte wie Vogelbeeren.


In der Regel lebt der Baummarder in alten Höhlen von Spechten oder auch in Nestern von Greifvögeln. Beim Jagen legt er auch grosse Strecken am Boden zurück.


«Ausneuen» macht süchtig...

Um sich über den Baummarder-Bestand ein Bild machen zu können, muss deshalb nach leichtem Schneefall der Baummarder anhand des Spurenbildes gesucht werden.Man findet in der Regel die Bäume, wo der Marder wieder aufgebaumt ist und mittels Klopfen am Baumstamm springt er häufig ab. Beim «Ausneuen» von Baummardern kann man richtiggehend süchtig werden.Meine Beobachtung geht dahin,dass überall dort, wo Schwarzspechte vorkommen, auch der früher seltene Baummarder sich wieder vermehrt ansiedelt.Vorsicht ist bei abgelegenen Hütten im Wald geboten; normalerweise bewohnt der Baummarder im Gegensatz zum Steinmarder keine Häuser; in nicht regelmässig benutzten Holzerhütten im Wald habe ich jedoch schon mehr als einmal den geschützten Edelmarder nachweisen können.


Bedenken gegen Totholz

Objektiverweise muss auch auf die Gefahren hingewiesen werden, welche in einem (zu) hohen Totholzbestand lauern. Die massenhafte Entwicklung von Totholz kann zu massiver Entwicklung von Insekten und bei Trockenheit auch zu einer erhöhten Waldbrandgefahr führen.Stehendes Totholz birgt auch gewisse Gefahren für Erholungssuchende im Wald.In Zusammenhang mit dem allgemeinen Betretungsrecht des Waldes und dem Verunfallen von Waldgängern mit umstürzenden Bäumen bzw. Ästen können angeblich juristisch äusserst heikle Haftungsfragen gestellt werden. Aus den verschiedensten öffentlichen Interessen wird heute in vielen Wäldern der Totholzanteil in meinen Augen zu radikal entfernt. Auch wird präventiv noch zu intensiv die Bildung von Totholz verhindert. Dafür muss gegenüber der Forstwirtschaft umgekehrt auch Verständnis aufgebracht werden; der forstwirtschaftliche Ertrag wird durch das absterbende Holz nicht gehoben. Andererseits sollten wir Jäger nicht zusätzlich noch Öl ins Feuer giessen und dort, wo man sich durchgerungen hat, Lebensraumverbesserungen mittels Totholz zu fördern den Wald noch als «unordentlich» anprangern. Die Jagd hat - so nebenbei sei dies wieder einmal erwähnt - bekanntlich die Aufgabe, alle einheimischen wild lebenden Säugetiere und Vögel zu fördern. Dazu gehören auch die Schwarzspechte und die Baummarder.

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