02.07.09 | Wenn der Sommer ins Land zieht, haben sich die Sprünge und Rudel, zu welchen sich die Rehe in winterlichen Notzeiten im Waldrevier und in der Feldflur zusammengeschlossen haben, längst wieder aufgelöst. Die Böcke sind sich nicht mehr grün, und wer es sich zutrauen darf, hat ein Territorium erobert und duldet keine Grenzverletzungen durch Artgenossen, zumindest bis zur Brunft.
Bei magerem Wildbestand kann praktisch jeder Bock, sogar ein Jährling, zum Revierbesitzer avancieren. Steigt aber die Zahl der männlichen Individuen in einem Einstandsgebiet, gelingt es schwächeren Jünglingen kaum, einen eigenen Bereich mit Duftmarken und Plätzstellen zu kennzeichnen und gegen Mitbewerber zu verteidigen. Solches bleibt den Mehrjährigen und den gut entwickelten Zweijährigen vorbehalten.
Im Allgemeinen legen weibliche Tiere in der Vegetationsperiode ihrem eigenen Geschlecht gegenüber ein toleranteres Verhalten an den Tag als Böcke, vorausgesetzt, es handelt sich bei den im selben Lebensraum angetroffenen Schmaltieren, Geissen und Kitzen um nahe und nähere Verwandte. Dazu zählen Mütter und ihre Töchter, Grossmütter und Grosstöchter sowie Nichten. Solche in Sippen vereinten Gemeinschaften teilen sich ein Revier, das aber von den einzelnen Mitgliedern, insbesondere von der dominanten Ricke des Clans nicht mittels spezieller, an den Grenzen angebrachter Duftmarken als Einflusssphäre gekennzeichnet wird, wie das bei territorialen Böcken die Regel ist. Zwar sondern beschlagene und führende Geissen vermehrt Sekret aus den Zwischenklauendrüsen und aus einem bestimmten Areal der Kopfhaut ab und nässen oft an denselben Stellen, was nicht zur Familie gehörende Rehe über deren Anwesenheit ins Bild setzt. Ein gezieltes Setzen von Duftmarken kann aber nicht festgestellt werden. Solche durch Familienbande vereinte Gruppen, aber auch allein lebende Ricken, wählen den ihnen zusagenden Lebensraum jedes Frühjahr neu, sind also weniger standorttreu als die dominanten Böcke.
Alles hängt vom Lebensraum ab!
Ausschlaggebend ist die Qualität des Einstandsgebiets. Diese kann sich im Jahresverlauf abrupt ändern und eine ins Gewicht fallende Verschlechterung erfahren, z.B. durch Abholzung, Einzäunungen, Waldstrassenbau, Landwirtschaft, Siedlungserweiterung, Waldhüttenbau, Sportund Freizeitveranstaltungen. Neben vermehrter Beunruhigung und Gefährdung durch den Verkehr und wildernde Hunde kann das Äsungsangebot und die Deckung bietende Vegetation in erheblichem Mass beeinträchtigt werden. Anderseits bieten z.B. Windwurfflächen auf einen Schlag reichlich Äsung und Deckung. Solange genügend geeigneter Lebensraum zur Verfügung steht, geht das Beziehen von Einstandsgebieten ohne grössere Reibereien über die Bühne. Steigt der Bestand der weiblichen, insbesondere der fortpflanzungsfähigen Tiere an, konkurrieren die Individuen zunehmend um Nahrung und um taugliche Setz- und Aufzuchtinseln. In dieser Zeit sind die Ricken auf besonders hochwertiges Futter angewiesen. In dicht mit Rehwild besiedelten Revieren sind mitunter bereits im Vorfrühling recht hitzige Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Geissen um die besten Setzplätze zu beobachten.
Ich selbst wurde Anfang der Neunzigerjahre öfter Zeuge solcher Rempeleien, als der Rehbestand im Oberengadin übersetzt war. Schwächere trächtige Tiere wurden abgedrängt und mussten mit wenig geeigneten Orten vorlieb nehmen, um ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen, was sich neben oft erhöhter Gefährdung durch Menschen, Raubfeinde und den Verkehr auch in einer Belastung des Stoffwechsels in ohnehin schwierigen Zeiten niederschlug. Eine mindere Qualität der Kinderstube und die Konkurrenz schmälern die Überlebenschancen der Kitze. Bei steigender Wilddichte beginnen sich die Lebensräume der Sippen zu überlappen, und die Kitzsterblichkeit nimmt zu.
Wie Wildtierforschung der Jagdpraxis nützt
Der Schweizer Verhaltensforscher Fred Kurt hat 1968 als erster auf das Vorhandensein solcher Rickensippen hingewiesen. Seine Erkenntnisse fussen auf Studien, die er und Mitarbeiter zwischen 1968–1983 in fünf Forschungsrevieren, unter anderen im Zizerser Feld, in Grabs Ost, in Pontresina und in einem Gehege im oberaargauischen Staffelbach machten. Umfassende Untersuchungen über das Sozialverhalten liegen auch aus einem 130 ha grossen, waldreichen Versuchsgatter in Stammham, Bayern (Ellenberg, 1978) und aus dem Feldrevier Kalö in Dänemark (Strandgaard, 1972) vor. In diesen beiden Untersuchungsgebieten wurden die Rehe nicht bejagt. Gründlich hat auch der Herzog von Bayern das Rehwild in seinem steirischen Gebirgsrevier studiert. Es zeigte sich bald einmal, dass Rehe längst nicht überall in ihrem riesigen Verbreitungsgebiet dazu neigen, Sippen fester oder geringfügig sich ändernder Zusammensetzung zu bilden. So formieren sich die grösseren und kleineren Gemeinschaften in der offenen Landschaft immer wieder neu wie ein sommerliches Steinbockrudel, wo die Mitglieder nach Lust und Laune oder Notwendigkeit kommen und gehen.
Fred Kurt bemerkt zum je nach dem untersuchten Lebensraum stark voneinander abweichenden Verhalten des Rehs, dass man den Eindruck gewinnen könnte, es handle sich nicht um eine einzige, sondern um verschiedene Tierarten. Verlässliche Beobachtungen lassen sich nur an eindeutig identifizierbaren Tieren durchführen. Die Versuchsobjekte mussten also markiert werden. Nun ist es aber seit Längerem bekannt, dass sich das Verhalten gekennzeichneter Individuen je nach der Art und der Grösse der Markierung und durch den Schock der Manipulationen während des Einfangens und Anbringens der Kennzeichnung ändern kann und dass z.B. auffällig markierte Tiere manchmal von ihren Artgenossen gemieden werden. In stark bejagten Revieren wechselt zudem die Zusammensetzung des Rehbestandes von Jahr zu Jahr. Diese kurze Betrachtung beschränke sich auf das Sozialverhalten der kleinen Trughirschart in bewaldeten Gebieten, das ich aus eigener Erfahrung kenne, berücksichtigt also z.B. das Zusammenleben des Rehwildes in der deckungsarmen Agrarsteppe und in anderen Biotopen nicht.
Stabiles Matriarchat braucht die Männer
In Waldlandschaften leben Rehe teilweise in stabilen Sippen, bestehend aus verwandten Geissen und ihren weiblichen Nachkommen. Böcke gastieren nur vorübergehend in diesen Mutterfamilien, so in den hochsommerlichen Paarungswochen und im Winter. Kurt hat diese Sozialorganisation im Schweizer Mittelland angetroffen. Dort, wo die Böcke sommersüber in ihren Territorien hausen, dulden sie auch ihnen bekannte Ricken samt ihrem weiblichen Nachwuchs. Gegenüber fremden Ricken zeigen sich die Chefs dieser sogenannten Ein-Mann-Gruppen intolerant. Das bringt Vorteile für die anwesenden weiblichen Tiere mit sich. Für sie und ihre Sprösslinge bleibt so mehr Äsung und ruhige Rückzugsorte, und die sozialen Spannungen mit nicht zum Clan gehörenden Artgenossen verringern sich. Insbesondere in dichter besiedelten Revieren ist dies von Bedeutung und verbessert die Chancen, dass die frisch gesetzten Kitze überleben. Der Grundherr wacht eifersüchtig über seine Ressourcen.
Ähnliches ist von Löwenrudeln bekannt, wo ein hochrangiges männliches Tier das Jagdgebiet seiner Familie gegen Artgenossen und andere Konkurrenten verteidigt. Ohne die Anwesenheit eines starken Männchens sind Löwinnen auf die Dauer nicht in der Lage, ihre Interessen zu wahren, da ihnen die Beute von anderen Räubern, z.B. Hyänen, weggenommen wird. Wo Territorien die Regel sind, gelangen praktisch nur deren Inhaber zur Fortpflanzung. In ihrem alpinen Lebensraum sehen sich Böcke im Verlauf der Brunft gezwungen, den paarungswilligen Partnerinnen in höhere Lagen zu folgen, wohin diese samt ihrer Kitze des besseren Futters wegen gezogen sind. Im bewaldeten Gelände vermag ein dominanter Bock drei bis vier weibliche Tiere zu decken. Gelegentlich, gegen Ende der Paarungszeit, verlassen hochrangige Böcke ihre Einstandsgebiete und suchen auf längeren Wanderschaften weitere galante Abenteuer, z.B. mit Rehen in Territorien weniger dominanter Vererber und denjenigen Geissen, die nach einer fehlgeschlagenen Paarung erneut brunftig geworden sind. Nach neuesten Erkenntnissen sieht es ganz so aus als machten sich auch Ricken auf Freiersfüsse und suchten den ihnen zusagenden Partner, wobei sie mitunter mehrere Kilometer zurücklegen können. Wie es auch in der Literatur beschrieben wurde, konnte ich mehrmals Böcke beobachten, die sich bereits mehrere Wochen vor der hohen Zeit in keuscher Liebe mit einem Schmalreh zusammentaten, diesem auf Schritt und Tritt folgten, es zuweilen zärtlich beknabberten und unweit neben ihm ruhten.
Territoriale Böcke sorgen für ihren Nachwuchs Es scheint, dass sowohl Schmalrehe aktiv die Gesellschaft eines territorialen Bockes suchen als auch dieser die ihre, um dann als stabiles Duo durch den Tann zu wandeln. Nach erfolgter Vereinigung im August und nach mehreren Seitensprüngen des Bocks gesellen sich solche Paare, wenn die Blätter fallen, zu den Mutterfamilien der Schmalrehe und bleiben den Winter über bei ihnen. Der Auftritt eines dominanten Bockes verschafft seinem weiblichen Gefolge den Vortritt gegenüber anderen Rehen an den wenigen zugänglichen, nicht von Schnee bedeckten Äsungsplätzen und an den Raufen. Wie Kurt vermerkt, ist die stabile, soziale Organisationsform der Ein-Mann-Familie dann am besten geeignet, wenn Rehe in hoher Dichte im Wald leben und die Konkurrenz innerhalb der Art gross ist und wenn der Lebensraum sowohl für die Etablierung von Territorien als auch als Aufzuchtzone für die Kitze taugt. Bei geringer Wilddichte ist der Erfolg des Werdegangs der Kitze nicht von der Anwesenheit eines territorialen Bockes abhängig. Der Besitz einer Einflusssphäre erhöht aber den Fortpflanzungserfolg eines Bockes.
Fällt ein Territoriumsinhaber aus, sei es durch den Jäger, durch Raubfeinde oder den Verkehr, übernimmt meist sehr bald ein anderer mehrjähriger Bock das freigewordene Mini-Königreich. Der neue Herr kann auch ein Zweijähriger sein. In einer stillen Ecke eines Einstandsgebiets im Oberengadin begegnete ich mehrmals dem dort regierenden Bock, einem starken Sechser. Gleich zu Beginn der Brunft ereilte ihn sein Schicksal auf der verkehrsreichen Strasse unterhalb seines Minireiches. Zu meinem Erstaunen übernahm zwei Tage später ein mickriger Jährling die Domäne, machte einer Rehdame unmissverständliche Avancen und deckte sie mehrmals. Hier muss allerdings erwähnt werden, dass in diesem Gebiet wegen des starken Jagddruckes auf Böcke kaum einer der gekrönten Herren älter als drei Jahre wird. In dichter besetzten Rehrevieren wandern viele der Jährlinge – meist sind es die stärkeren – ab, legen zuweilen erstaunliche Distanzen zurück und versuchen, sich in einer neuen Gegend zu etablieren. Ihre schwächeren Kollegen werden von den territorialen Böcken eher geduldet. Jährlingsböcke fegen ihre Stirnwaffen erst im Frühsommer. Dann sind die Territorien längst alle besetzt. Segnet die ranghöchste Ricke das Zeitliche, rückt die nächstälteste oder die zweitstärkste auf die oberste weibliche Hierarchiestufe vor.
Errötend folgt er ihren Spuren...
In der Paarungszeit, die sich je nach Höhenlage von Mitte Juli bis weit in den August hineinzieht, zeigt das Rehwild ein charakteristisches Verhalten. Trotz der unterschiedlichsten Sozialstrukturen in den ganz verschieden ausgestatteten Biotopen im eurasischen Verbreitungsraum zeigen die auf Freiersfüssen pirschenden Geweihten überall ein höchstens in Nuancen voneinander abweichendes Gebaren, wenn es zur schönsten Sache geht, sei nun der Akteur ein sesshafter Revierbesitzer oder ein Reisender in Sachen Liebe. Wo ein Bock nicht mit den bevorzugten Äsungsplätzen und den frequentierten Liegeplätzen und Verstecken der zu beglückenden Damen vertraut ist, helfen ihm hinterlassene Duftnoten auf die richtige Spur. Öfter kann man jetzt Böcken begegnen, die mit tief gehaltenem Haupt im Trab einer Fährte nachhängen. Sie behalten diese Haltung auch dann noch bei, wenn das angepeilte Objekt ihrer Sehnsüchte sich bereits sichtbar in ihrer Nähe befindet und fallen dann in einen schaukelnden Galopp, der die Geiss zur Flucht veranlasst. Vielleicht bewinden sie zuerst die Stelle, wo die Ricke gelegen und vor ihrem hastigen Abgang genässt hat. Oft aber folgen sie ihr ohne Umschweife und stossen zum Trommeln der Hufe ein deutlich vernehmbares Keuchen aus, das nicht einer Atemnot geschuldet ist.
Fälschlicherweise werden solche Hetzjagden als Treiben bezeichnet. Ihr Tempo und die Richtung werden aber in der Regel von der Geiss bestimmt. Denn sobald sie nach mehreren hundert Metern oder einem Kilometer das Tempo drosselt und innehält, stockt auch ihr Verfolger. Sie äugt rückwärts über den Ziemer und fordert ihn zum Nachkommen und Aufschliessen auf. Er beschnuppert und beleckt schliesslich ihr präsentiertes Feuchtblatt und reckt flehmend den Windfang in die Höhe. Oft nässt das Paar anschliessend unisono. In geduckter Demutshaltung, gelegentlich mit erhobenem Vorderlauf fordert sie ihren Partner zum Beschlag auf und setzt sich dann in einen eigentümlich verhaltenen Trab in Bewegung, verfolgt fiepend einen schlängelnden Kurs über gemähte Wiesen, um Siloballen oder Büsche herum und beschreibt dann mit den zierlichen Hufen eine Kreisbahn oder eine Achtertour um Bäume herum.
Auch Gefühle sind mit im Spiel
Dauert dieses finale Vorspiel länger, zeigen sich dem Kundigen die als Hexenringe bekannten Fährtenbilder im Gras. Jetzt bleibt die Ricke mit tief gehaltenem Träger und rückwärts gerichteten Lauschern stehen. Der Bock imponiert und macht sich erneut an ihrem Feuchtblatt zu schaffen, ehe er aufsteigt. Im Moment des Samenergusses sinkt er auf ihrem Rücken zusammen und gleitet dann ab. Meist tun sich jetzt die Hochzeiter für eine Weile nieder. Nach einer Weile erheben sich die beiden wieder, belecken sich manchmal gegenseitig, ehe es nach kurzem Treiben oder ohne Umschweife erneut zum Beschlag kommt. Ist die Partnerin noch unerfahren, unterbricht sie manchmal das Ritual und entzieht sich ihrem stürmischen Liebhaber, indem sie sich hinlegt. Manchmal verliert auch der Bock vorübergehend das Interesse, wenn ein Schmalreh das Zeremoniell abändert und unternimmt später einen neuen Anlauf.
In der modernen Sichtweise sind es die egoistischen Gene, die um ihres Fortbestandes willen das Geschehen zwischen paarungsbereiten Individuen dirigieren und biochemische Prozesse in Gang setzen, die den Organismus in geeigneter Weise handeln lassen. Dass auch Gefühle im Spiel sein könnten, ist den Molekularbiologen entgangen. Dazu müssten sie sich ins Freie begeben und die Studienobjekte bei ihrem Tun beobachten. Dann würde ihnen vielleicht dämmern, dass auch Wildtiere nicht nur mit ihren Gensequenzen auf den Chromosomen hausieren gehen, dass vielmehr Gefühle im Spiel sind, wenn sich Männlein und Weiblein finden. Auch da kommt es vor, dass man sich auf Anhieb sympathisch ist, sich aus der vergangenen Saison bereits kennt oder dass bei einer neuen Bekanntschaft das Eis in einem längeren Werben zuerst gebrochen werden muss. Auch wenn sie manchmal recht forsch zur Sache gehen, sind Böcke keine triebgesteuerten Sexmonster, die wahllos Weibchen unterjochen. Gesunde Ricken im fortpflanzungsfähigen Alter entziehen sich nicht aus ideologischen Gründen dem Begehren eines «Machos», sie lassen ihn vielleicht zuerst abblitzen, sind ihm aber dann doch zu Willen, es sei denn, es trete ein anderer auf den Plan, der mehr nach ihrem Geschmack ist.
Letztendlich geht es um die Erhaltung der Art, und kein normales Reh hat gegen die zu Nachwuchs führenden Umstände etwas einzuwenden. Innerhalb eines Territoriums lebende Geissen werden fast immer vom residierenden Bock gedeckt. Sie sind nur während 24, höchstens 36 Stunden empfängnisbereit und kennen den Revierinhaber. Ein Zugereister hat deshalb kaum Chancen, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, den Platzbock zu vertreiben und die Dame zu umgarnen, ehe ihr Östrus abgeklungen ist. Anders sieht es aus, wenn ovulierende Ricken nicht erfolgreich beschlagen worden sind und später erneut brunftig werden. Jetzt zaudern sie nicht mehr lange und geben sich meist dem ersten Interessenten hin, der des Wechsels geschritten kommt. Gewöhnlich bleibt ein weibliches Tier zwei Tage mit dem gewählten Bock zusammen und schirmt ihn aktiv vor weiteren Geissen ab. Während der kritischen Zeit ermuntert sie ihn, sie so oft zu besteigen, wie er dazu in der Lage ist.
Nach dem Abklingen der Brunft schlägt die Stunde des Blattjägers, denn die noch nicht erschöpften Böcke springen jetzt besonders leicht auf künstlich erzeugte Fieptöne. Stehen sie bei einer Ricke, sind sie damit kaum wegzulocken. Es mag aber gelingen, ein Muttertier mit dem Kitzfiep zum Zustehen zu bewegen und damit den Bock heranzubringen.
Über die postulierte stille Brunft im November liegen wenig schlüssige Feldbeobachtungen vor, und ich kann dazu nichts beisteuern, da mir diesbezügliche Erfahrungen fehlen.
Autor: MARTIN MERKER - (TEXT UND FOTOS)
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