31.08.09 | Der Amerikaner Mark «Long Range» Thompson streckt regelmässig Rotwild auf Distanzen von über 700 Meter - und präsentiert seine Abschüsse stolz im Internet. Das ist auch in seinem Heimatland höchst umstritten, in unseren Breitengraden zudem fast überall verboten. Eine ganz andere Intention als jene, möglichst weit schiessen zu lernen, haben denn auch die Ballistikseminare von Hansruedi Felder vom Felder Jagdhof. Den Begriff «Weitschussseminar» vermeidet er bewusst. Ziel sei vor allem zu erfahren, wie weit jeder einzelne Teilnehmer noch sicher treffen kann. Die Teilnehmer lernen neben ihrer Waffe und der zugehörigen Munition die wichtigsten technischen Hilfsmittel kennen, mit denen sich auch ein mässig weiter Schuss noch sicher antragen lässt. Nicht zuletzt ist das Ballistikseminar auf dem Sustenpass auch eine einmalige Trainingsgelegenheit im leider schrumpfenden Schiessplatzangebot der Schweiz.
Sicherheit an erster Stelle
Auf 2000 Metern über Meer, umgeben von einer Moränenlandschaft, schlägt auf dem Militärschiessplatz Steingletscher jedes Jägerherz höher. Beim Training steht der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur und der Umwelt im Zentrum. Ein Schiessplatzverantwortlicher begleitet deshalb jedes der seltenen Seminare und überwacht die notwendigen Sicherheitsmassnahmen.
Geschossen wird auf dem Susten liegend und sitzend ab dem Schiesskissen. Es befinden sich Zielscheiben in 50-Meter-Abständen, die Distanzen betragen 100 bis 300 Meter. In einer Entfernung von 365 Metern steht zudem eine Rothirsch-Scheibe. Dank den durch die Firma Zeiss zur Verfügung gestellten Spektiven können die Treffer vom Stand aus abgelesen werden.
Ab 200 Metern wirds schwierig
Das letzte Ballistikseminar fand Ende Juni 2009 statt. Interessant sind die meist deckungsgleichen Erfahrungen der acht Kursteilnehmer: Mit Standardkalibern wie der .30-06 Spr. oder der 7x65R liess sich bis knapp 200 Meter ohne Korrektur schiessen. Danach begannen die Geschosse rapide zu fallen.
Mit Magnumpatronen wie mit der am Seminar ausgiebig getesteten, neu erschienenen 7 mm Blaser Magnum lässt sich etwa 20 Prozent weiter schiessen. Dann muss das Fallen des Geschosses ebenfalls berücksichtigt werden. Es zeigte sich, dass bei allen Munitionsarten die Herstellerangaben zu positiv waren, die Geschosse fielen in der Realität stärker.
Technik, die hilft
Die Krümmung der Flugbahn lässt sich allerdings gut mit einer AbsehenSchnell-Verstellung korrigieren. Den fachgerechten Umgang damit und mit dem Distanzmessgerät gehörten zum Ausbildungsprogramm des Seminars. So war es am Ende des Tages möglich, dass jeder Kursteilnehmer dem Hirsch auf der 365 Meter entfernten Scheibe «tödliche» Treffer antragen konnte.
Dabei kann allerdings einiges schief gehen: Schon mässig starker Wind verursacht eine Abdrift von mehr als einem halben Meter. Ein leichtes Mucken genügt, und der Schuss sitzt nicht mehr auf der Scheibe. Trotzdem können weite Schüsse gelegentlich nötig sein, wenn es zum Beispiel gilt, ein krankes Tier zu erlösen. Regelmässiges Schiesstraining an der persönlichen Leistungsgrenze sei deshalb jedem Jäger ans Herz gelegt.
Das nächste Ballistikseminar ist für den Herbst 2009 geplant. Die Kosten pro Teilnehmer betragen 500 Franken, das Mittagessen ist gesponsert von der Firma Zeiss. Interessenten melden sich beim Felder Jagdhof (www.felder-jagdhof.ch).
Autor: Raphael Hegglin
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