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Biologie und Jagdtechnik - Kimme und Korn

Zielkonflikte

25.01.10 | Als Jägerin oder Jäger gerät man oft in einen Zielkonflikt. Da ist einerseits der Druck, die vorgegebenen Abschusszahlen zu erfüllen. Auf der anderen Seite steht das durchaus legitime jagdliche Interesse an einem guten, vom Altersaufbau und der Sozialstruktur her idealen Wildbestand. Gerade auf Bewegungsjagden muss ein Entscheid oftmals innert Sekundenbruchteilen gefällt werden. Sehr hilfreich ist es dann, wenn von Seiten der Jagdleitung vor dem Anblasen möglichst klar angesagt wird, was als Ergebnis der Jagd gewünscht wird.


In einem Zielkonflikt befinden sich oft auch Behörden, zum Beispiel mit Bezug auf Jagdschiessanlagen. Da besteht der legitime (und von der in der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift ausführlich beschriebenen Umfrage erneut bestätigte) Wunsch der nichtjagenden Bevölkerung nach einer möglichst guten Treffsicherheit der Jägerinnen und Jäger. Dem gegenüber gleicht die Suche nach einem bewilligungsfähigen Standort für eine Jagdschiessanlage - und solche Anlagen sind ja zur Gewährleistung des sicheren Schiessens auf  der Jagd unabdingbar - vor allem in den dicht besiedelten Gebieten des Mittellandes der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen.


Die Jagdschiessanlage im zürcherischen Embrach soll aus Umweltschutzgründen geschlossen werden. Sogar die sonst im Ton eher zurückhaltende NZZ sprach in diesem Zusammenhang vom «Ende eines Ärgernisses», obwohl sich die Experten noch lange nicht einig sind, wie gross denn die Umweltbelastung im besagten Fall tatsächlich ist.


Die Regierung des Kantons Zürich hat nun das zweifelhafte Vergnügen, einen neuen Standort für eine neue Anlage zu suchen. Denn sie kann ja schwerlich auf der einen Seite eine Verschärfung der Schiesspflicht verfügen und anderseits die bestehende Jagdschiessanlage ohne Ersatzangebot schliessen.


Zielkonflikte sind vorprogrammiert. Es braucht wahrlich keine den üblichen Rahmen sprengende politische Erfahrung, um vorauszusehen, dass an jedem neuen Standort Opposition entstehen wird. Die Standortsuche für Sportanlagen ist meist dann schon schwer genug, wenn es um «beliebtere» und ein grösseres Publikum ansprechende Sportarten geht als um das jagdliche Schiessen. Und Opposition (selbstverständlich mit ausschliesslich «hehren Zielen») wird sich vor allem dann einstellen, wenn seitens der Betreiber der verständliche Wunsch angemeldet wird, sich auf einer neuen Jagdschiessanlage nicht auf das für Aus- und Weiterbildungszwecke notwendige Minimum im Schiessbetrieb zu beschränken, sondern weiterhin das jagdliche Schiessen auch als Sportart zu fördern und zu pflegen.


Wenn die zürcherischen Lokal- und Regionalmedien sich allerdings bei der Realisierung einer neuen Jagdschiessanlage so kooperativ zeigen sollten, wie sie dies gegenüber den Kreisen waren, die seit Jahren mit durchsichtigen politischen Zielen für die Schliessung von Embrach agitiert haben, dann dürfte einem Erfolg nichts im Wege stehen…


Autor: Fredy Kradolfer




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