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Biologie und Jagdtechnik - Nutzungskonflikte

Wildruhezonen als Instrumente des Artenschutzes

Immer mehr Freizeit - immer intensivere Nutzung, Tag- und Nachtbetrieb: Wildruhezonen als Gebiete mit eingeschränkter Nutzung durch den Menschen bilden ein wichtiges Instrument im Artenschutz, besonders zur Vermeidung von Störungen. Die Bezeichnung von Wildruhezonen und der darin geltenden Bestimmungen steht in der Schweiz allerdings erst am Anfang, wird nicht einheitlich gehandhabt und ist deshalb für den Erholungssuchenden, Touristen oder Sportler nicht einfach zu durchschauen. Der vorliegende Artikel fasst die aktuellen Kenntnisse zu Wildruhezonen und deren Umsetzung in der Schweiz zusammen.

Im hohen Schnee ist die Fortbewegung extrem energieaufwendig. Die Wildtiere müssen deshalb möglichst viel Energie sparen. (Foto: Christian Willisch, FaunAlpin)

Das Schneeschuhwandern boomt und entwickelt sich zum Massensport. (Foto: Andreas Boldt, FaunAlpin)

Spuren im Schnee: Skifahrer, Snowboarder, Schneeschuhwanderer. Für die Wildtiere bleibt kaum noch Platz. (Foto: Andreas Boldt, FaunAlpin)

Die Vielfalt an Interaktionen zwischen Mensch und Tier ist gross. Manchmal mit und manchmal ohne negative Folgen für die Wildtiere. (Zusammenstellung: FaunAlpin)

15.02.10 | Menschliche Freizeitaktivitäten haben in den letzten Jahrzehnten ganz enorm zugenommen. Das Erholungs- und Freizeitverhalten hat sich gewandelt, wir sind zu einer eigentlichen Freizeitgesellschaft geworden. Die zunehmende Mobilität und Kaufkraft hat ihren Teil dazu beigetragen. Heute tauchen nicht nur immer wieder neue Trendsportarten auf, wie zum Beispiel «Speedflying»,  «Waveboarding» oder «Quaddriving». Es ist hier unwichtig, wenn Sie nicht  wissen, was das ist. Dies ist lediglich ein Zeichen für die Aktualität und Komplexität des Themas. Auch die Ausübung von eher traditionellen Sportarten wie Wandern oder Klettern nimmt immer noch zu oder wird wie das Schneeschuhwandern neu entdeckt. Wer will, kann sich heute Tag und Nacht, das ganze Jahr und fast überall amüsieren und sportlich betätigen. 


Natur als Arena und frei schweifende Nutzung 

 Viele der neuen Sportarten benutzen explizit die Natur als Kulisse oder Arena. Sie befriedigen das menschliche Bedürfnis nach Individualität, indem sie nicht an fixe Infrastrukturen oder Routen gebunden sind. Und genau darin liegt eines der hauptsächlichen Probleme. Freizeitaktivitäten, welche zeitlich und  räumlich unregelmässig auftreten, sind nicht vorhersehbar. Die Tiere können sich nirgends und nie sicher fühlen. Immer wieder und überall sind sie den plötzlich auftauchenden Menschen unvorbereitet ausgesetzt. Wenn sich die Sportler zudem schnell bewegen, laut kommunizieren oder in grossen Gruppen auftreten, ist das Gewöhnungsvermögen der Tiere rasch überfordert. Durch die Art der Fortbewegung erreicht der Mensch auch immer mehr Orte, die für ihn früher unerreichbar waren. Er bewegt sich im Gelände immer häufiger mit motorisierten Fahrzeugen, betreibt Sportarten auf dem Wasser und auch in der Luft. Am problematischsten sind Aktivitäten zu Zeiten, in welchen Wildtiere ansonsten ungestört sind. Das ist beispielsweise nachts der Fall, in der Dämmerung oder während der Brut-, Setz- und Aufzuchtszeit. In dieser Zeit suchen viele Tiere besondere Orte auf, wie tagsüber nicht zugängliche Nahrungsgründe, Brutplätze, Ruheplätze, Verstecke oder traditionelle Balzplätze. 


Aber nicht jede menschliche Aktivität muss eine Störung verursachen. Personen, welche sich an Wege und Routen halten, vereinzelt und zeitlich regelmässig erscheinen, sich langsam und vorhersehbar verhalten und die besonders sensiblen Gebiete meiden, sind zumeist unproblematisch. Viele Wildtiere können sich recht gut an solche Reize gewöhnen. 


Im Grundsatz bekannt, im Detail schwer nachzuweisen 

Viele Zusammenhänge und Reaktionen der Wildtiere sind schon länger bekannt und gut untersucht. Auch in der Schweiz wurden seit etwa 1985 zahlreiche Forschungsprojekte zum Thema «Störung der Wildtiere» durchgeführt und dazu verschiedene Tierarten und etliche Sportarten untersucht. Das begann mit der Beobachtung von unmittelbaren Verhaltensreaktionen bei Huftieren und Wasservögeln. Und auch heute noch wird diese Grundlagenforschung fortgeführt, namentlich mit Untersuchungen zur Stressphysiologie bei Raufusshühnern. So konnte gemäss neuesten Publikationen erstmals gezeigt werden, wie der durch den Wintersport erzeugte Stress ganz konkret Auswirkungen auf den Bestand von Auer- und Birkhühnern hat. Beispielsweise haben Auerhühner in unmittelbarer Umgebung von Langlaufloipen markant erhöhte Stresshormonspiegel. Und die Bestände des Birkhuhns sind in Regionen mit einer hohen Dichte an Skipisten und -liften deutlich tiefer als in weniger erschlossenen Regionen. 


Schädliche Auswirkungen von Freizeit, Sport und Tourismus auf Wildtiere sind also in vielen Fällen gut belegt. Genauso kennt man die Faktoren, welche Einfluss auf das Ausmass der Auswirkungen nehmen. Zu diesen Faktoren gehören Eigenschaften des Tieres (z.B. Geschlecht, Alter, Fortpflanzungsstatus, individuelle Erfahrung, aktuelles Verhalten), Eigenschaften des Störreizes (z.B. Typ, Häufigkeit, Intensität, Distanz, Richtung, Geschwindigkeit, Lautstärke) sowie soziale und ökologische Bedingungen (z.B. Gruppengrösse, Tageszeit, Jahreszeit, Topografie, Habitatstruktur, Distanz zu Rückzugsgebieten). 

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