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Biologie und Jagdtechnik - Biber

Von 141 auf 1600 in 30 Jahren

150 Jahre nach seiner totalen Ausrottung sind zwischen 1956 und 1977 141 Biber in der Schweiz angesiedelt worden. Eine erste Bestandesschätzung 1978 ergab gerade noch 132 Tiere weniger als insgesamt ausgesetzt wurden. Eine zweite Bestandesschätzung 1993 fand 350 Tiere, verteilt auf mehrere kleine Populationen über die ganze Schweiz. Im Winter 2008 organisierte die Biberfachstelle erneut eine gesamtschweizerische Bestandeserhebung. 1600 Biber in 472 Revieren besiedeln heute wieder unsere Gewässer.

Biber mit Jungtieren.

Um die vielfältigen Herausforderungen der Zukunft rund um die Gewässer nachhaltig zu lösen brauchen die Biber mehr Raum.

25.01.10 | Die 1993 noch fragmentiert vorhandenen Bestände sind heute über die grossen Flüsse relativ gut miteinander verbunden. Die Biber besiedeln immer mehr die Seitengewässer und z.T. sogar kleinste Entwässerungsgräben im Landwirtschaftsgebiet. Dabei kehren sie in eine intensiv genutzte Kulturlandschaft zurück, die seit ihrer Ausrottung vor 200 Jahren völlig verändert wurde: Ganze Flächen wurden trockengelegt, Gewässer begradigt und zwischen Kulturen und Infrastruktur eingezwängt. Kein Wunder, kollidieren Biberaktivitäten dabei mit menschlichen Nutzungsansprüchen: Vernässte und überflutete Felder durch Dammbau oder einstürzende Feldwege durch Biberbauten können das Resultat sein. Für den Biber wird es in Zukunft immer schwieriger, neue, konfliktarme Lebensräume zu finden.


Konflikte mit dem Biber sind aber meistens die Folgen eines grösseren Problems unserer Gewässer: sie haben zu wenig Platz. Auf 11 000 ha alleine im Landwirtschaftsgebiet schätzt das BAFU 2009 den Raumbedarf der Gewässer, damit diese ihre ökologischen Funktionen erfüllen und bei Hochwasser den Abfluss wirksam bremsen können. Der Bund fordert die Kantone denn auch auf, in Abhängigkeit der Sohlenbreite einen Uferstreifen von 5-15 m beidseits der Gewässer einzurichten und deren Raumbedarf so zu garantieren. 


Und das ist genau der Raum, in dem der Biber hauptsächlich aktiv ist und wo es zu Konflikten mit uns Menschen kommt. Wenn wir bereit sind, den Gewässern diesen Raum zu überlassen, hätten wir eine Situation, in der mittel- und langfristig alle profitierten: das Risiko von Hochwasserschäden wird durch genügend Fliessgewässer-Raum reduziert und die Schutzmassnahmen werden kostengünstiger. Die Gewässer werden vor Stoffeinträgen geschützt und die Wasserqualität wird besser. Lebensund Erholungsräume entstehen oder werden aufgewertet. Über die Gewässer entsteht ein Netzwerk von Wanderkorridoren für Tiere und Pflanzen. Und die Landwirtschaft erhält eine Abgeltung für ihre ökologische Leistung im öffentlichen Interesse.


Höhere Artenvielfalt

Seit seiner Rückkehr bringt der Biber durch seine unermüdlichen Aktivitäten aber auch wieder Dynamik und Leben in unsere Gewässer zurück, die durch den Menschen in der Zwischenzeit oft vollständig unterbunden wurde. Er schafft ein Mosaik von neuen Lebensräumen und Strukturen, indem er die Vegetation offen hält, Totholz fördert und Teiche schafft, indem er Gewässer staut. Dadurch trägt der Biber aktiv zur Artenvielfalt bei. Viele Tier- und Pflanzenarten sind auf die Aktivitäten des Bibers angewiesen und profitieren direkt davon. 


Um die vielfältigen Herausforderungen der Zukunft rund um die Gewässer nachhaltig zu lösen, brauchen diese mehr Raum. Wenn wir versuchen, den Biber dabei als Partner mit an Bord zu holen, kann er uns kostenlos helfen, die Gewässer zu renaturieren und so aktiv zur Artenvielfalt und zu vielfältig strukturierten Gewässern beitragen. Zusätzlich helfen natürlichere Ufer Konflikte mit dem Biber langfristig präventiv zu vermeiden, was die Akzeptanz dieses faszinierenden Tieres langfristig fördert und sichert.


Autor: Christof Angst

Christof Angst, Leiter der Biberfachstelle, Centre Suisse de Cartographie de la Faune, CSCF, Neuenburg, hat dieses Referat an einer Fachtagung des BAFU über Biber und Biodiversität gehalten




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