26.01.12 |
Es sei gewiss nicht leicht, sagt er, den eigenen Tieren gegenüberzustehen und sie selbst zu töten. Aber das «schulde er ihnen», ist er überzeugt und er fragt: «Ist es nicht unsere Pflicht unseren ‹Nutztieren› gegenüber, von denen wir soviel ‹Nutzen› haben, ihr Ende so gut wie möglich zu gestalten?»
Er zieht einen Vergleich: «In der Gatterwildhaltung ist vorgeschrieben, dass die Tiere dort, wo sie leben, geschossen werden, denn sie gelten als Wildtiere. Leider haben unsere Haus- und Nutztiere auf diese Art der Schlachtung nur in wenigen Fällen Anspruch. Wenigstens den Tieren, die ihr ganzes oder den grössten Teil ihres Lebens in Freiheit verbringen, sollte das Recht zustehen, dass sie dort sterben können, wo sie geboren und aufgewachsen sind.» Er hat erreicht, dass er seine in Freilandhaltung lebenden Rinder auf der Weide mit Kugelschuss aus der Deckung erlegen darf, wenn sie geschlachtet werden sollen.
So weit so gut. Doch wie sieht es aus bei Tierschützern und sogenannten «Tierfreunden», die mit weniger Sachverstand, dafür mit Emotionen zu Gange sind? Dazu ein geradezu erbärmliches Beispiel aus Basel: «Edwin Tschopp, Geschäftsführer des Erlen-Vereins und damit auch des bekannten Tierparks Lange Erlen, mag nicht mehr. Er und seine Mitarbeiter haben die Nase voll. Voll von all diesen Tierfreunden und ihren Moralpredigten» heisst es in der «Tages Woche online» vom Freitag, 13. Januar 2012.
Seit sechs Jahren pflege der Erlen-Verein im Auftrag des Kantons die rund 25Damhirsche im Park. Dazu gehöre auch, dass die Pfleger des Tierparks Lange Erlen jeden Winter den zu gross gewordenen Hirschbestand regulieren müssen. Überzählige Tiere, meist Männchen, werden abgeschossen. Ansonsten drohen Krankheiten, Inzucht und eine Überweidung des Geländes. «Doch jedes Mal gibt es im Schwarzpark einen Aufstand von empörten Anwohnern und Tierschützern. Garantiert wird das auch in wenigen Wochen der Fall sein, wenn wieder sechs Hirsche erlegt werden müssen» heisst es weiter.
Der Erlen-Verein erwägt nun, die Hirschhaltung einzustellen und das Gelände mit Schafen zu beweiden. Dass diese dann, wenn es an ihr Ende geht, still und heimlich verladen und in den Schlachthof gekarrt werden und dort in den Genuss industrielle Schlachtungen kommen, wird dann niemanden stören …
Die Schizophrenie solcher Vorgänge muss an dieser Stelle wohl kaum näher erläutert werden. Aber das Beispiel zeigt einmal mehr auf, mit welchem Kaliber von Geistesgrösse wir es zu tun haben, wenn aus gewissen Kreisen gegen Sinn und Zweck der Jagd und gegen das Tun der Jäger agiert wird.
Autor: FREDY KRADOLFER
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