13.12.11 | Seit Jahren unterhalte ich einen Luderplatz in einem Waldgebiet mit grösseren Lichtungen. Er ist für mich an einer günstigen und abgelegenen Stelle, wo eher selten Leute vorbei kommen. Die Förster und der Waldbesitzer wissen Bescheid, sodass wir uns nicht gegenseitig stören. Im Umkreis von dreihundert Meter befinden sich mehrere Fuchs- und Dachsbauten, wovon mindestens zwei jedes Jahr von Fuchsfähen mit ihren Jungen befahren sind. Den Luderplatz unterhalte ich das ganze Jahr.
Bereits ab Mai und Juni beschicke ich ihn von Zeit zu Zeit mit Teilen von Aufbrüchen vom Sommerbock, selten mit Schlachtresten von gesunden Kaninchen. Im Herbst, während der Patentjagd und hauptsächlich auf Gemeinschaftsjagden im Revier, bekomme ich die Geräusche von Rehwild, die ich dann in einem Tiefkühler aufbewahre, um sie bei Bedarf auslegen zu können. Besonders der Schweiss und Saft von Aufbrüchen vom Sommerbock, der ins Erdreich eindringt, wirkt sehr nachhaltig. Selbstwenn eine Zeitlang kein Luder da war, kommen Füchse und bestimmt auch andere Tiere wie Dachs und Marder, um sich eine Nase voll von dem für sie leckeren Geruch zu holen. Sonst lege ich noch von Zeit zu Zeit Fische, Katzenfutter und Hundegebäck aus. Ich denke, die Wildtiere aus der Umgebung kennen diesen Platz, weil das am Abend ausgelegte Futter bereits am anderen Morgen weg ist.
Es finden sich auch andere Besucher an dem Luderplatz ein. So habe ich regelmässig nicht nur den Mäusebussard, Milane, Krähen und Eichelhäher gesehen, sondern auch verschiedene Mäuse. Die Waldspitzmaus, der kleinste Räuber in unseren Jagdrevieren, wie auch die Rötel-,Wald- und Gelbhalsmaus. Um das genau festzustellen, verwendete ich Lebendfang-Fallen für Mäuse. Nachdem ich sie bestimmt habe, lasse ich sie wieder frei, oder ich behalte sie als Futter am Luderplatz, besonders bei Schnee. Wo Mäuse sind, finden sich auch ihre «Feinde» ein. So habe ich öfters beim Ansitzen in der Nacht einen Waldkauz in rund drei Metern Höhe auf einem Ast über der Futterstelle sitzen sehen, und einmal eine Schleiereule. Die beiden Eulen kann man sehr gut an ihrem Habitus erkennen. Um ganz sicher zu sein, habe ich sie mit einer starken Lampe angeleuchtet, was sie überhaupt nicht störte. Wir hatten zu dieser Zeit schon seit Längerem eine geschlossene Schneedecke, sodass sie bestimmt hungrig waren.
Diesen Luderplatz unterhalte ich nicht nur, um Füchse zu erlegen, sondern in erster Linie, um Fotos zumachen von Tieren, die hier vorbeikommen. So konnte ich schon feststellen, dass Feldhasen und Dachse an dem Luder vorbeischauen. Ein Marder mit Räude besuchte das Luder. Ein Fuchs, der auf einem Auge blind war, kam im nächsten Jahr wieder. Und natürlich wimmelt es von streunenden Katzen. Einmal ging mir ein vagabundierender Schäferhund- Mischling in die Falle. Anhand des Fotos war dann leicht heraus zu finden, wem er gehörte.
Besonderen Spass machte mir eine Waldspitzmaus, die auch an den Luderplatz kam. Das ist eigentlich normal, denn Spitzmäuse sind hauptsächlich Fleischfresser. Ich wage die Aussage, es seien auch die «schärfsten» Jäger in unserem Revier, denn sie fressen alles Lebendige in ihrem Lebensraum, was sie erbeuten können. Spitzmäuse müssen innert 24 Stunden die gleiche Menge Nahrung zu sich nehmen, wie ihr Körpergewicht. Sie sind schlechte Nahrungsverwerter. Ich wollte sie fotografieren und ein Porträt von ihr machen, was aber nicht einfach war. Ich musste mich im Schneemit bereiter Kamera auf den Bauch legen und sehr lange vergeblich warten. Beim zweiten Mal klappte es schon nach zehn Minuten. Besondere Freude hatte ich an dem Foto von der Fuchsfähe, die dick geht, was man auf dem Foto deutlich sehen kann. Das Foto machte ich am 26. oder 27. Februar. Sie kam nach Mitternacht zum Luderplatz, direkt von ihrem Bau, der in der Nähe war.
Einmal wollte ich auf Krähen ansitzen. Da Krähen auch sehr früh erscheinen, ging ich schon vor dem ersten Licht in meinen Schirm bei meinem Luderplatz, als plötzlich ein Fuchs kam, der auf dem Heimweg war, und konnte ihn erlegen. Ich denke, dass Füchse trotzdem am Luderplatz vorbeischauen und man zum Schuss kommt, selbst wenn eine Zeitlang kein Luder da war. Das weiss sicher jeder erfahrene Fuchsjäger.
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