15.02.10 | Im Moment bläst uns jahreszeitgemäss wieder einmal eine gröbere Bise um die Ohren. Stichworte wie Hasenjagdverbot, Treibjagdverbot, absoluter Schutz von Grossraubtieren, Volksinitiative «für den Schutz vor Waffengewalt», Bedingungsschiessen und Baujagdverbot vermögen, je nach aktueller Gemütsverfassung, den Adrenalinspiegel von uns Jägern erheblich anzuheben.
So sehen die einen endgültig und unausweichlich den Niedergang der freiheitlichen Jagd auf uns zukommen, während dem die anderen das Verschwinden einer weiteren Salamischeibe zwar bedauern, jedoch auch erkennen, dass sich die Zeiten halt ändern und wir uns als Mini-Minorität zwangsläufig den Vorstellungen einer Natur entfremdeten Gesellschaft anpassen müssen. Denn vorbei die Zeiten, als wir auf Hasenstreifen noch aus dem Vollen schöpften, von Oktober bis Dezember mindestens einmal pro Woche Rehe, Hasen und Füchse zu einem Fitnesstraining aufboten, den Bären «aufgebahrt» an der Dreimeter-Stange stolz ins Dorf trugen, nach der Jagd bei der gemeinsamen Einkehr im Rössli die Flinte auf dem Nebentisch deponierten, unsere Schiessfertigkeit in der freien Wildbahn dank guten Niederwildbeständen auf hohem Niveau hielten sowie Fuchs und Marder im Winter mit Hund und Blei an den Balg gingen.
Heute ist die Welt, auch die jagdliche, gläsern. Heute gibt es Google, und so kann man dort unter dem Stichwort Baujagd 41 900 Einträge samt Videos und Bilder finden. Nicht alle natürlich als treffliches Argument für die Baujagd. Da hilft auch der 10-Punkte-Werbespot von JagdSchweiz wenig, der in der Februarausgabe von J&N erschienen ist. Er zeigt zwar durchaus die goldene Seite der Medaille, leider gibt es aber auch eine blecherne: Kämpfe unter dem Boden und im Bau eingeschlossene Hunde. Und das wissen natürlich auch die Baujagdgegner.
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Vielleicht ist es auch besser so. Denn stellen Sie sich vor: Es ist Ende Januar, draussen liegt bei 10 Grad Minus ein halber Meter Schnee, eine steife Brise bläst von Norden her, der Wald ist stumm, die Vögel sitzen aufgeplustert um die Futterstellen herum und Sie liegen im Bau. Es ist Samstag, und damit die richtige Zeit bei richtigem Wetter, um so richtig zu faulenzen. Nicht alleine, denn vor gut einer Woche haben Sie sich neu verliebt. Und nun umgarnen Sie Ihre Liebste im Kuschelnest, den Bauch voller Schmetterlinge. Ein wirklich nettes Weibchen haben Sie sich angelacht. Mit einer wunderbaren Figur, weichen, langen Grannenhaaren und betörenden Wimpern. Und Augen, in deren Tiefgründigkeit sich Ozeane und Sternschnuppen verschmelzen. Kurz: Rundum stimmig.
Da, ein Gepolter und Kratzen beim Eingang. Schon keucht und kläfft es Richtung Schlafzimmer, und ein Rottweiler steht vor dem Bett. Beim Flüchten durchs offene Fenter können Sie gerade noch sehen, wie der Köter Ihrem Weibchen die herrlichen Lippen zerfetzt. Ein Röcheln begleitet Sie beim Sprung in den Schnee. Bumbum, Nadelstiche m Hintern und schon rollen Sie in die schützende Hecke. Stile, nur ein paar rote Tropfen in der Fluchtfährte sind noch Zeugnis vom Geschehenen.
Realität? Nein, natürlich nicht, Sie sind ja kein Fuchs. Vieleicht aber ein Albtraum nach einem Baujagdtag.
Autor: Martin Ebner
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