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Biologie und Jagdtechnik - Sammelplatz

Das Tier des Jahres verabschiedet sich

Von Bären, Murmeltieren und Siebenschläfern ist allgemein bekannt, dass sie in der kalten Jahreszeit eine Winterruhe oder gar einen Winterschlaf machen. Der Tauwurm, einer der häufigsten Regenwürmer im Sihlwald hingegen wird weit weniger damit in Verbindung gebracht. Von Frühling bis Herbst sorgt er dafür, dass der Boden gut belüftet und fruchtbar bleibt. Im Winter und bei grosser Trockenheit flieht er in tiefere Lagen des Bodens.

Regenwurm im Sihlwald.

Der Regenwurm verschwindet in der kalten Jahreszeit in tiefere Lagen.

Ein Regenwurm zieht ein Salweidenblatt in seine Wohnröhre, um es dort von Bakterien und Pilzen vorverdauen zu lassen, bevor er es aufnehmen kann.

13.12.11 | Wer glaubt, ihn zu kennen, der irrt. Allein in der Schweiz leben rund 40 verschiedene Arten. Der bekannteste unter ihnen ist der bis zu 30 cm lange Tauwurm Lumbricus terrestris. Er gräbt fast senkrechte Wohnröhren, die gegen drei Meter tief sein können. Er ernährt sich von Blättern und Pflanzenresten, die er in seine Wohnröhre zieht und sie dort von Pilzen und Bakterien vorverdauen lässt. Nur so gelingt es dem zahnlosen Regenwurm, das Pflanzenmaterial überhaupt aufzunehmen.


Regenwürmer könnten bei uns bis zu acht Jahre alt werden, falls sie nicht als Nahrung für die Vögel oder Dachse enden. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt deshalb nur etwas über zwei Jahre. Der  Regenwurm gehört im Verhältnis zu seiner Grösse zu den stärksten Tieren überhaupt. Er kann bei seiner Grabtätigkeit bis das Sechzigfache seines Körpergewichts stemmen; damit übertrifft er den Menschen bei Weitem.


Unermüdliche Schaffer im Sihlwald

Regenwürmer sorgen auch im Sihlwald für neuen und fruchtbaren Boden. Als fleissige Tunnelbauer belüften sie ihn und erhöhen dadurch dessen Wasseraufnahmefähigkeit. Der Kot, den sie ausscheiden, entspricht hochwertigem Humus: er enthält ein Mehrfaches an Stickstoff, Phosphor und Kalium als die Umgebungserde und ist deshalb ein exzellenter Dünger.


Mischwälder weisen eine höhere Regenwurmdichte auf als reine Fichten- oder Buchenwälder. Im Sihlwald wurden bei einer Untersuchung in den 90er-Jahren dreizehn verschiedene Regenwurmarten gezählt. Gemäss einer damals erstellten Modellrechnung leben im gesamten Sihlwald rund 200 Tonnen Regenwürmer, die einen grossen Beitrag zum gesunden Kreislauf des Waldes leisten. 


Was macht der Regenwurm eigentlich im Winter?

Der Regenwurm ist ein wechselwarmes Tier und kann seine Körpertemperatur nicht selber regulieren: Kälte, Frost und auch die Trockenheit, die momentan herrscht, sind für ihn gefährlich. Aus diesem Grund zieht er sich nach der letzten Eiablage im Herbst tiefer in den Boden zurück. In seiner selbst gegrabenen Höhle bleibt es während des Winters konstant feucht und warm. Nur selten, in feuchten und frostfreien Nächten, zeigt er sich an der Erdoberfläche, um Nahrung aufzunehmen. Sollte es jedoch noch kälter werden, ringelt sich der Regenwurm in einem Teil der Höhle ein, welcher er mit Kot tapeziert hat. Dort bleibt er so lange in einem Zustand der Starre, bis die klimatischen Bedingungen wieder günstig sind. Wer in den nächsten Wochen und Monaten im Sihlwald spazieren geht, wird kaum mehr Regenwürmern begegnen. Wie wir ziehen Sie ein warmes und konstantes Klima vor und verlassen ihre Höhle nur selten.


Weitere Auskünfte:

Carmen Herzog, Projektleiterin Bildung, Wildnispark Zürich, Tel. 076 587 15 72 oder carmen.herzog(at)wildnispark.ch (Do bis 18 Uhr).




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