26.04.10 | Um Antworten auf Fragen rund ums Erlegen von Wild zu finden, trafen sich 22 interessierte Altund Jungjäger am 27. März beim Rest. Rossberg zum traditionellen Schaffhauser Anschuss-Seminar im Revier Wilchingen-Rossberg. Das altbewährte Team, Karl Heinz Gysel und Roman Bührer, lud ein, unterstützt wurden sie dabei von Reto Muggler, dem Sohn des leider verstorbenen Nachsuchespezialisten Ruedi Muggler. Dieses Jahr versuchte Roman Bührer dem Druck gegen die Schrotjagd von Seiten der Wildverwerter zu begegnen, indem er aufzeigte, dass ein sorgfältig in der richtigen Distanz abgegebener Schrotschuss bei Weitem wildbretschonender sein kann, als der einer Kugel. Auch trug er damit der Tatsache Rechnung, dass unsere Wälder mit der heutigen Nutzung im Freizeitbereich, der modernen Bewirtschaftung durch den Forst und den damit geförderten Dickungen eine Bejagung allein mit der Kugel massiv erschweren.
Tiere beschossen und nicht gefunden oder übersehen?
Karl Heinz Gysel wusste aus seiner langjährigen Schweissarbeit Geschichten zu erzählen, die nicht immer zugunsten von uns Weidmännern und Frauen endeten. Wir Jäger müssen versuchen, in gutem Einvernehmen mit den übrigen Nutzern unseres Waldes zu bleiben. Wer schiesst und keine Beute hat, sucht nach! Nur eine gute, saubere Jagd hat eine Zukunft, war seine Botschaft, und damit wandte er sich seiner Passion, der Nachsuche zu. Eine grosse Palette von praktischen Hilfsmitteln konnte er uns vorzeigen. Traditionelle Schweisshalsungen, Riemen und grosse Messer sind schön zu zeigen, aber die Vorzüge von modernen Materialien und Waffen, die ein unbehindertes Vorwärtskommen garantieren, sind besser.
Wussten Sie, dass eine Nachsuche ohne Wasser für Hund und Führer einem Motor ohne Benzin gleichkommt? Was nach dem Schuss alles zu bedenken und oder zu unterlassen ist, welches Gespann sich für die Nachsuche eignet, ob es eine Totsuche oder gar eine Hetze wird, zeigt uns der Anschuss. Haben wir keinen, beweist uns nur die Nachsuche, dass da wirklich nichts ist! An einem aufgehängten, mit der Kugel beschossenen Stück Fallwild, hinter dem ein grosses weisses Tuch den Waldboden abdeckte, zeigte er uns, was am Ausschuss alles herausfliegt und in welchem Radius diese auf dem normalen Waldboden kaum sichtbaren Gewebeteilchen vom Hund gefunden werden können. Auffallend war auch das Geschoss, das sich zerlegte und gleich drei Kugelrisse im Tuch verursachte. Die Jungjäger unter uns lernten bei dieser Gelegenheit, dass die 10 auf der Wildscheibe im Schiessstand eigentlich nicht den Sitz des Herzens anzeigt.
Jäger auf den Knien
Die von Reto Muggler präsentierten Anschüsse galt es zu beurteilen und die daraus zu ergreifenden Massnahmen zu erkennen. Auf den Knien durchsuchten die in kleinen Gruppen arbeitenden Teilnehmer den Waldboden nach Gewebe, Haar und Knochenteilchen ab. Aufmerksam beobachtet von Retos HS-Hunden, die sich wohl darüber wunderten, warum wir nicht einfach ihre Nasen einsetzten. Natürlich konnte uns das Team nur eine kleine Auswahl davon zeigen, was auf der Jagd so alles passieren kann. Dieser Morgen machte uns aber doch deutlich, dass es nichts gibt was es nicht gibt und wir nur sicher sind, wenn wir nachgesucht haben! Grosser Dank gebührt den drei engagierten Schweissprofis die sich immer wieder Zeit nehmen, um uns «alte» und angehende Jäger in ihren Kursen fit für eine weidmännische Jagd zu machen.
Erika Gremminger, Gächlingen