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Sammelplatz - Glarus

Glarner Jagd oder Es raschelt das Papier

Der neue Glarner Jagdverein, hervorgegangen aus der Fusion von 2006, konsolidiert sich nach anfänglichen Schwierigkeiten und Mitgliederaustritten und versucht mit marginalem Erfolg, vermehrt Einfluss auf die Jagdbetriebsvorschriften zu nehmen. Was dabei herausgekommen ist, wurde nach dem Beschluss des Regierungsrates am 3. Juli im Amtsblatt publiziert. Ebenso wurden am 5. Juli die Hege- Arbeitstage der Jäger abgeschlossen wie auch die Trainings und diverse jagdliche Schiessen.

24.07.08 |

Nach einem äusserst schneereichen Winter und sehr lange dauerndem Frühlingsanfang in den Glarner Bergen sind nun auch die Jagdvorschriften für das Jagdjahr vom 1.9.2007 bis 28.2.2009 publiziert worden. Auf mehr als drei Seiten im Format A3 sind alle Vorschriften aufgeführt, die ein pflichtbewusster Patentjäger zu beachten hat. Nebenbei bemerkt: Ich habe diese drei Seiten Jagdkameraden im Lande Sachsen (ehemals DDR) gezeigt. Kopfschütteln, ungläubiges Staunen und die Bemerkung, dass sie nicht einmal zu Ulbrichts und Honeckers Zeiten einen solchen Papierkram (sprich: Polizeistaatsaufwand) gekannt hätten... Nun aber zu den Fakten:


Die Hochwildjagd beginnt nun immer am ersten Montag im September, also am 1.9., und dauert bis Sonntag, 14. September ohne Unterbruch. Beim Gamswild wurde das Abschussziel von 500 im Jahre 2007 auf 550 Stück erhöht. Geschossen werden dürfen zwei, ein männliches und ein weibliches Tier, je ab dem zweiten Lebensjahr. Wer einen untergewichtigen Jährling unter 13 Kilo erlegt, erhält dafür eine weitere Abschussmarke gemäss Kontingent. Änderung gegenüber dem Vorjahr: Der Schutz der im dritten oder vierten Lebensjahr stehenden Gamsgeiss wurde damit wieder aufgehoben.


Rotwild: Zahl vor Wahl?

Beim Rotwild wurde das Abschussziel massiv auf 145 (Vorjahr 100) erhöht, nämlich je 55 Stiere und Kühe/Schmaltiere und 35 Kälber beiderlei Geschlechts. Es wurde damit wieder wie früher alles freigegeben; d.h. der Jäger braucht nicht (mehr) genau anzusprechen, nur treffen sollte er! Letztes Jahr noch war die führende Kuh geschützt zur Hebung des Standwildes und zur besseren Verteilung des Rotwildes und heuer wieder das Gegenteil - wo bleiben hier Logik und Begründung? Ebenso wurden die letztes Jahr noch gesperrten Gebiete - linke Talseite von Luchsingen-Klöntal-Bilten inkl. Kerenzerberg - dieses Jahr für die ersten zwei Tage der Rotwildjagd freigegeben. Offenbar trug die Jagdkommission dem berechtigten Ärger der Jäger dieser gesperrten Gebiete Rechnung, wenn auch nur bescheiden und nicht so, wie es besser wäre, nämlich durch den Schutz der führenden Kuh und/oder einzelner Klassen der männlichen Tiere (Spiesser, Kronenhirsch).


Beim Rehwild ändert sich praktisch nichts ausser den Daten. Vier Tage nur Bockjagd und nur mit Schrot und Hunden, sieben Tage Rehgeissen mit Kugel oder Schrot, jedoch ohne Hunde, Rehkitze ebenfalls sieben Tage mit Schrot und Hunden. Pro Jäger sind je ein Bock, eine Geiss und ein Kitz frei; jedoch ist Markentausch innerhalb der gleichen Jagdgruppe erlaubt.


Die 16 glücklichen Steinwildjäger beginnen ihre Jagd ebenfalls am 1. September und haben Zeit bis zum 30. Oktober. (Warum eigentlich nicht bis zum 31.10.?) Es gilt Geiss (ohne Altersbeschränkung) vor Bock der entsprechend freigegebenen Altersklasse. Von den 16 freigegebenen Böcken sind drei in der Altersklasse 7-10 und drei vom 10. Lebensjahr an aufwärts. Die Nachfrage bei diesen beiden Altersklassen übersteigt bei weitem das Angebot. Die zuständigen Herren werden sich etwas überlegen müssen. Entweder wie im Kanton Graubünden, wo jeder erfolgreiche Jäger wieder bei der Jugendklasse beginnen muss und/oder längere Wartezeiten, nicht mehr fünf Jahre, sondern wie früher acht oder zehn Jahre. Die Abschusszahl der alten Böcke zu erhöhen könnte wohl nur durch steigende Bestände gerechtfertigt werden.


Gastfreundlich mit auswärtigen Jägern

Von den übrigen Wildarten seien noch speziell erwähnt: ein Feldhase pro Jäger in der Zeit vom 23.10. bis 11.11. (im Jahr 2007 wurden nur gerade fünf Stück erlegt.) Zwei Schneehasen pro Jäger während der ganzen Niederjagd vom 1. Oktober bis zum 30. November (2007 nur noch 27 erlegt, was absoluten Tiefststand bedeutet!), ein Birkhahn vom 16. Okt. bis 30. Nov. (2007 wurde noch ein einziger erbeutet.) Kormorane unbeschränkt vom 1. Okt. bis 31. Jan. 2009 ausser auf dem Walensee (Nichteingriffsgebiet).


Gastpatente sind für alle Jäger, welche in der Schweiz, Österreich, Deutschland oder Liechtenstein eine Jägerprüfung bestanden haben, an maximal drei Tagen zum Preis von Fr. 100.- pro Tag sowohl auf der Hoch- wie auf der Niederwildjagd möglich. Gastjäger dürften ausser dem Birkhahn alles erlegen; das kontingentierte Wild kommt ins Abschussbuch des einladenden Jägers.


Hegearbeit: Immer die gleichen...

Am 5. Juli war Abschluss dieser freiwilligen Arbeit in den Gemeinden Bilten, Obstalden, Mühlehorn und im ganzen Sernftal. Leider sieht man meistens die gleichen Idealisten; ab September und vor allem im Oktober begegnet man dann aber eben wieder den ewig Verhinderten; diese haben immer Termine oder irgendwelche Begründungen, sprich Ausreden. Dies ist, neben den vielen Vorteilen der Patentjagd, ein leidiger Nachteil und begünstigt die so genannten Trittbrettfahrer wie in vielen anderen Lebensbereichen auch. Seit bald zwanzig Jahren wird in Bilten unter der Leitung von (jetzt «alt») Förster Heinrich Becker Biotophege betrieben, vor allem für die Raufusshühner. Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass der Schreibende Ende April eines Nachmittags drei Auerhennen im Biotop-gepflegten Gebiet bei der Nahrungssuche beobachten konnte, nachdem doch einige Jahre lang keine Sichtungen mehr möglich gewesen waren.


Sportliches

Am 14./15. Juni fand der 11. Glarner Jagdparcours im Klöntal statt unter Beteiligung von 218 Schützen aus der ganzen Schweiz. Der schöne Gabentempel bewirkte, dass viele Topschützen ins idyllische Bergtal anreisten. Hier die Rangliste: 1. Oeler Hans, Ennenda; 2. Fischli Rolf, Näfels; 3. Heidegger Hermann, Egg-Grossdorf, alle 61 P.; 4. Folladori Bruno, Andeer; 5. Steinmann Samuel, Niederurnen; 6. Blumer Hanspeter, Engi; 7. Bürer Norbert, Walenstadt; 8. Schneider Patrick, Bauma; alle 60 P., 9. Keller Ruedi, Mollis; 10. Hug Edgar, Hergiswil, beide 59 Punkte.


Nun wünsche ich allen Jägerinnen und Jägern eine erhol- und geruhsame Jagd, verbunden mit der Hoffnung auf Weidmannsheil und eine unfallfreie Jagdsaison.


Autor: Mathias Oeler, Mollis

Vereinsnachrichten

An dieser Stelle publizieren wir neu Nachrichten aus den Jagdvereinen als Ergänzung zum "Sammelplatz".

 

News für Jäger

  07.09.2010: Weniger Rothirsche, Rehe und Gämsen erlegt

  06.09.2010: Biodiversität: Fortschritte reichen noch nicht aus

  06.09.2010: Zürcher Jäger erfolgreich an der «Beef.ch»

  11.08.2010: Männlicher Wolf auf der Alpe Scex erlegt

  09.08.2010: SRG-Ombudsmann rüffelt Andreas Moser

  05.08.2010: Abschussbewilligung für einen Wolf

 

JAGD&NATUR

Ausgabe 09/2010

 

 

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