23.09.08 | Die Ausstellung ist eine Reise nach Innsbruck wert! Ihr Konzept ist die interdisziplinäre Zusammenführung von Kunst,Geschichte, Naturwissenschaften, Musik, Volkskunst. Die Präsentation weicht immer wieder von üblichen Schemata ab.Auch hier wird In gewissem Sinne «gewildert». Immer wieder berichten die Medien über Fälle von Wilderei.
Das Wildern ist ein eigenartiges Phänomen. Selbst in unserer heutigen Zeit, da jeder erwachsene Staatsbürger eine Jagdprüfung machen kann und sich dann legal der Jagd widmen könnte, scheint für manche Menschen das illegale Schiessen auf Tiere nichts von seinem Reiz verloren zu haben. Das Ferdinandeum versucht daher, dieses brisante Thema, das viele Menschen im Lande bewegt, aufzugreifen.
Dabei ist nicht an eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas Wilderer gedacht, sondern an das Aufzeigen der zahllosen Facetten, die hier zu berücksichtigen und zu beobachten sind.
Wildschütz, Rebell, Tierquäler und Dieb
In der Ausstellung sollen die Besucher in einer Gesamtrauminstallation auf zwei Ausstellungsebenen mit einer pfiffigen und überraschenden Inszenierung aktiv bzw. interaktiv mit «Aha»-Effekten neugierig gemacht und in das vielschichtige und sehr unterschiedlich gesehene Thema eingeführt werden. Der Wilderer als «Rebell der Berge» wird sowohl in seiner kulturgeschichtlichen Entwicklung als auch in seiner widersprüchlichen Bedeutung beleuchtet.
Dabei wird nicht nur auf den bekannten «Wildschütz», den illegalen Jäger mit Gewehr eingegangen, sondern auch auf andere Formen der illegalen Jagd (Schlingen, Fallen usw.).Auch der in weiten Teilen des Alpenraumes bis heute bedeutende Vogelfang wird gezeigt.Berühmte «Wildererdramen» kommen in der Ausstellung ebenso vor wie die strenge Gerichtsbarkeit früherer Zeiten.
Neben Werken der Kunstgeschichte (z.B.von Kaspar Jele «Die Wildschützen» (1841),«Die Flucht des Wilderers» von August Dieffenbacher (1888) oder Georg Wachters «Tiroler Wildschütz» (1839), sowie das Bildnis Leopold Vöschers «Im hinteren Pitztal» (1865) finden sich zahlreiche Werke der zeitgenössischen Kunst (wie Arbeiten von Helmut Christof Degn, Lois Hechenblaikner, Teun Hocks, Steve Payne (von Studio output London Design Agency).
Wilderei als Grenzüberschreitung
Wie sehr «Grenzen» im täglichen Leben eine Rolle spielen, ist ebenfalls Thema der Ausstellung. Es ist der Versuch, die zahlreichen Facetten, die dieses spannende und tief in der Seele der Völker verankerte Phänomen auszeichnet, zu erspüren und in Bild,Text und Positionen der bildenden Kunst darzustellen.
Dass Wilderei durchaus auch Tierarten gefährden kann, wird unter anderem am Beispiel des Alpensteinbocks erklärt, der über Jahrhunderte nicht nur wegen seiner Trophäen, sondern auch wegen seiner in der Volksmedizin und im Volksglauben bekannten «Heilwirkung» gejagt und dadurch fast zum Aussterben gebracht wurde. Da Wilderei nicht nur ein Thema der Alpen ist, stellt die Ausstellung auch einen Bezug zur internationalen illegalen Jagd und ihrer Bedeutung für die Gefährdung von bekannten Tierarten her. Zu allen diesen Themenbereichen werden plakative Beispiele gezeigt.
Die Präsentation des Ausstellungsthemas entzieht sich dem üblichen Kanon einer musealen Darstellung. Es geht neben der klassischen Faktenvermittlung auch um das Erfahren von Emotionen, von Verhalten wie Jagdfieber, Revierverhalten, Hierarchien, Selbstdarstellung, Naturerlebnis – menschlichen Höhen und Tiefen eben.Es wird versucht das Phänomen «Wildern» aus verschiedenen Blickwinkeln nachvollziehbar zu machen.
Die gezeigten Objekte stammen aus den eigenen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen und von zahlreichen privaten und öffentlichen Leihgebern. Unter anderem gelang es den Organisatoren viele besonders interessante Schaustücke aus den reichhaltigen Zoll- und Polizeilagern, in denen staatlich konfiszierte, illegale Objekte aufbewahrt werden, für die Ausstellung als Leihgaben zu beschaffen.
Zur Ausstellung erschien ein Buch (175 Seiten, ca. 200 Farbabbildungen, 210x260 mm) zum Preis von Euro 24,80. Das Buch ist im Museumsshop oder unter sekretariat(at)tiroler-landesmuseen.at zu erwerben.
Öffnungszeiten:
Ferdinandeum und Zeughaus: Di–So 9–18 Uhr.Die Ausstellung ist bis 11. Januar 2009 geöffnet.