01.12.08 | Das Abschussziel wurde allerdings mit erhofften 145 Stück bei weitem verfehlt, sodass es mit Sicherheit zu einer so genannten Nach- bzw. Reduktionsjagd kam. Es wurden 43 Stiere, 22 Kühe und Schmaltiere und 10 Kälber beiderlei Geschlechts erbeutet. Die Jäger erlegten auch noch 78 Murmeltiere und damit deutlich weniger als im Vorjahr (132).Die Abnahme von genau 40 Prozent ist aber auf das bekanntlich sehr schlechte Wetter mit Regen, Nebel und sogar Schnee zurückzuführen.
Also wie immer - mehr Böcke und Stiere
Laut Medienmitteilung war und ist die Abteilung Jagd und Fischerei mit den Ergebnissen der Glarner Hochwildjagd zahlenmässig zufrieden. Aber ich zitiere den neuen Jagdverwalter Dr. Chr. Jäggi: «Nach wildbiologischen Gesichtspunkten wurden die Gämsen auch in diesem Jahr nicht nachhaltig bejagt. Das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Tieren liegt nicht beim angepeilten Gleichstand. Bei Gämsen und Hirschen wurden fast doppelt so viele männliche wie weibliche Tiere geschossen. Das ist ungünstig für die Populationsstruktur.» Namentlich werde beim Fehlen älterer Böcke die Brunft, die bei den Gämsen in den November und Dezember fällt, viel unruhiger. Es komme dann vermehrt zu energieverzehrenden Kämpfen zwischen jungen Böcken. Auch die Geissen würden von mehreren Böcken angegangen. Habe es schon Schnee, so steige der Energieverbrauch massiv, und es könnten im Winter mehr Tiere sterben.
Jagdverwalter Jäggi vermutet bei den Jägern immer noch gewisse Vorurteile gegen den Abschuss von weiblichen und von jungen Tieren. Diese würden als Kapital (wohl nicht zu Unrecht, Bemerkung des Schreibenden) für den Aufbau von Wildbeständen gesehen. Ausserdem sei es leichter, männliche Tiere anzusprechen. Dr. Jäggi: «Es gibt zwar nur die Vorschrift, keine laktierenden Gamsgeissen zu schiessen, aber dies ist oft schwierig festzustellen.» Für Gämsen und Hirsche gilt laut Jäggi: «Weibliche und junge Tiere abzuschiessen ist nötig.» Es gehe darum, die Bestände an die Tragfähigkeit der Lebensräume anzupassen. Man wolle die Bestände stabilisieren, den Zuwachs in einem Geschlechterverhältnis von 1:1 und einen Anteil von über 15 % der Jugendklasse abschöpfen, so der Jagdverwalter.
Wissenschaft (Theorie) und Praxis
Auch wenn die Wissenschaft auch bei den Boviden immer wieder einen Abschuss von 1:1 fordert, weiss ich als mit 48 Patenten und häufig ausserhalb des Kantons und der Schweiz Jagender, dass das Geschlechterverhältnis nur beim Setzen 1:1 beträgt. In völlig unbejagten Beständen ist es 1:1,6 (die Wissenschaft hat dies festgestellt!), weil die weiblichen Tiere natürlicherweise älter werden und viele starke Gämsböcke bei strengen Wintern nach der Brunft eingehen.
Jagd in den Banngebieten und Nachjagd im offenen Jagdgebiet
Den vereinzelten Rufen aus Jägerkreisen, die Banngebiete für die Patentjagd zu öffnen, erteilte Jagdverwalter Jäggi eine Absage: «Damit würde man in den Banngebieten die einzigen noch intakten Brunftplätze der Hirsche im Kanton zerstören.» Das gehe letztlich gegen die Interessen der Jäger selbst. Der Schreibende macht hierzu auf die erwähnenswerte Tatsache aufmerksam, dass die Glarner Jäger heuer bereits zum vierten Mal (Beginn 2005) nach Voranmeldung beim Lösen des Jagdpatents durch einen der vier zuständigen Wildhüter eingeladen waren zur Abschusserfüllung beim Rotwild.
Dabei sind es dieses Jahr nur noch 75 Weidmänner, welche auch die für die Zulassung nötigen Kriterien erfüllt haben und damit von dem durch die Regierung auf den 1. Juli 2008 in Kraft gesetzten «Reglement über den Beizug der Jägerschaft zur Mitarbeit in den Eidgenössischen Jagdbanngebieten» profitieren können. Selbstverständlich gibt es aber auch Jäger, welche die Kriterien zur «Mitarbeit» in den Jagdbanngebieten erfüllen würden, aber diese aus Prinzip ablehnen oder aus anderen Gründen nicht teilnehmen wollen/ können. Die Neuerung gegenüber den Versuchsjahren 2005- 2007 besteht nun aber darin, dass der Erleger eines Rotwildes, eines männlichen Kalbes oder eines schwachen Spiessers dieses Wild zu sehr moderaten Preisen erwerben kann (Fr. 6.-/kg für Rotwild im 3. Lebensjahr und älter sowie Spiesser Fr. 7.--/kg für Kälber und Schmaltiere). Der Schreibende hat dies mehrmals gefordert, üben doch die Jäger diese Mitarbeit, welche sehr strapaziös sein kann und auch kostenintensiv, völlig entschädigungslos aus. Man denke nur an Kleidung, Verpflegung, evtl. an teure Reparaturen von Waffe und optischem Gerät nach Stürzen usw. Der neue oberste Jagdherr, Regierungsrat Robert Marti, hat die Zeichen der Zeit erkannt und damit die Arbeit der Jäger honoriert. Dafür sei ihm gedankt.
Diese Reduktionsjagden in den Freibergen «Schilt» mit Wildhüter Hans Fischli und dem «Kärpf» mit den Wildhütern Andreas Stüssi, Fridolin Luchsinger und Marco Banzer haben längst begonnen, so zum Beispiel am 7. November im «Schilt», wo gleich ein Jungjäger zu seinem ersten Hirschabschuss, eines Spiessers, kam. Resultate über den Erfolg dieser Reduktionsjagden werden wir frühestens in der Februarnummer von J&N melden können. In dem für die allgemeine Jagd offenen Gebiet wird die Nachjagd auf Rotwild je nach Witterung bereits im Gange oder kurz davor sein, sollten doch noch die fehlenden 70 Stück gemäss Abschussplan beigebracht werden. In aller Regel wird aber diese nicht von allen Leuten (Jägern wie Nichtjägern) begrüsste Nachjagd aus Tierschutz- und vor allem aus politischen Gründen vor Weihnachten abgeschlossen, auch wenn dann der Abschussplan noch nicht erfüllt sein sollte.
Nun gebe ich der Hoffnung Ausdruck, dass auch diese notwendigen Reduktionsjagden unfallfrei und mit Weidmannsheil für diesen oder jenen Jäger enden werden und der Start ins Jahr 2009 allen Leserinnen und Lesern gut gelingen möge!
Mathias Oeler, Mollis