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Sammelplatz - Kanton Glarus

Weniger Abschüsse auf der Glarner Jagd

Mit der zweitägigen Reduktionsjagd vom 11./12. Dezember ist das Jagdjahr mit Ausnahme der Passjagd auf Fuchs und Marder im Glarnerland zu Ende gegangen. Gemäss Amtsblatt - darin werden alle Jäger aufgeführt, ähnlich den Konkuristen, Toten und Kriminellen - haben vergangenes Jahr 388 (Vorjahr 392) Jäger das Patent für Hoch- und Niederwildjagd gelöst.

Mathias Oeler mit 7-jähriger Steingeiss.

Helfer Fritz Steinmann und Mathias Oeler mit 9-jährigem Steinbock.

15.02.10 | Für die Hochwildjagd (7.-21. September ) haben 19 (24) Jagdgäste an zusammen 44 (52) Jagdtagen ihr Glück auf Gämse, Murmeltier und Hirsch versucht. Verantwortlich für den Abschuss der Gäste war aber immer der einladende Jäger, auf dessen Kontingent (zwei Gämsen, drei Murmeltiere, Hirsche unbeschränkt). Aber wie bereits in den Vorjahren ging die Gämsstrecke, was abzusehen war, auf 508 (542) zurück. 301 (327) Böcke, 153 (177) Geissen sowie 54 (38) Jährlinge, davon 21 männliche und 33 weibliche. Der Abschuss von zehn Prozent Jährlingen von der Gesamtstrecke und das Geschlechterverhältnis von 2:1 gefällt den Jägern. Lobend erwähnt Jagdverwalter Dr. Christoph Jäggi die Zunahme des Jährlingsabschusses von 7 auf 10 Prozent. 110 (78) Murmeltiere sind dem schönen Wetter während der Jagdzeit zuzuschreiben und nicht natürlichen Schwankungen, wie der Jagdverwalter meinte. 


Beim Rotwild konnte der geplante Abschuss von 130 Stück (50 Stiere, 50 Kühe/Schmaltiere, 30 Kälber) wie fast alle Jahre zuvor mit 74 (Vorjahr 109) nicht erreicht werden. Erlegt wurden auf der Hochjagd 62 Stück (33 Stiere, 21 Kühe/Schmaltiere, 8 Kälber), und auf der Nachjagd im Dezember noch 12 Stück. Nach dem kurzen, aber heftigen Wintereinbruch Mitte Dezember wurde die Jagd auf das sehr störungsanfällige und ruhebedürftige Rotwild - nach meiner Meinung zu Recht - geschlossen. Die Gründe für den nicht erfüllten Abschussplan mögen vielfältig sein: weniger Rotwild als vermutet und geschätzt, ca. 40 % der Jagdfläche nur für zwei Tage Rotwildjagd, und dort auch nur Spiesser, Schmaltiere und Kälber, zu grosse Störungen schon vor und während der Jagd (Jagddruck) etc. 


Weidmannsheil auf den Steinbock 

Zur Steinwildjagd zitiere ich die Medienmitteilung des Jagdverwalters: «Der Kanton Glarus hat drei Steinwildkolonien, die er mit seinen Nachbarkantonen teilt. In Absprache mit diesen wird in jeder Kolonie ein Kontingent von Tieren zum Abschuss freigegeben und im Rahmen einer Auslosung einzelnen Jägern zugeteilt. Um an der Auslosung teilnehmen zu können, muss ein Jäger eine Mindestzahl von Patenten im Kanton Glarus gelöst haben. Diese Minimalzahl (10 bis 30) hängt von der Alterskategorie des auszulosenden Steinbocks ab. Zudem gilt eine Wartefrist von fünf Jahren für Jäger, die bereits einmal ein Los für einen Steinbockabschuss gezogen haben. Bevor ein Jäger zum ersten Mal auf die Steinwildjagd gehen darf, muss er eine Schulung über das Steinwild besuchen sowie an einer Beobachtungstour mit einem Wildhüter teilnehmen. Zwischen dem 1. September und dem 31. Oktober kann er dann in der ihm zugelosten Kolonie auf die Jagd gehen. Bevor er aber einen Steinbock erlegen darf, muss er eine Steingeiss erlegen, welche kein Jungtier führt. Insgesamt wurden in den drei Kolonien 16 Steinböcke und 16 Steingeissen (wie 2008) freigegeben. Die ausgelosten Jäger konnten in der Kolonie Foostock alle sieben freigegebenen Steingeissen und sechs der sieben Steinböcke erlegen. In der Kolonie Längenegg waren es je drei Geissen und Böcke bei je vier freigegebenen Tieren. In der Kolonie Panixer waren es vier Geissen und drei Böcke bei je fünf freigegebenen Tieren. Insgesamt kamen somit 14 (13) Geissen und 12 (11) Steinböcke zur Strecke. 


Dem Schreibenden war nach 2003 das Los wieder hold, und er konnte eine gute Geiss (7 Jahre) und einen Bock (9 Jahre) im Gebiet Längenegg und Wiggis erlegen. Den Bock übrigens ein paar Meter neben der Gedenktafel für den wohl berühmtesten Gamsjäger des Kantons, David Zwicky von Mollis, geb. 1740. Dort war Zwicky im Herbst 1796 mit gebrochenem Bein elendiglich zugrunde gegangen. 


Auch beim Rehwild weniger 

Ich zitiere auch hier aus der Medienmitteilung unseres Jagdverwalters: «Auf der Rehjagd vom 1. bis 31. Oktober konnten im Kanton Glarus 214 Rehe erlegt werden. Damit ging die Jagdstrecke gegenüber dem Vorjahr mit 289 Rehen deutlich zurück. Insgesamt konnten 110 Böcke (145), 72 Geissen (85) und 32 Kitze (58) erlegt werden. Der Rückgang der Jagdstrecke dürfte einerseits Folge des schlechten Wetters und des ersten Schneefalls sein, die eine Bejagung von einigen Gebieten verunmöglichten. Andererseits spielt wohl auch der relativ hohe natürliche Abgang im letzten Winter eine Rolle. In der Zeit vom 1. Dezember 2008 bis zum 30. April 2009 wurden 157 Rehe tot aufgefunden, davon waren die Hälfte Kitze. In der gleichen Zeitperiode des Winters 2007/2008 wurden lediglich 33 Rehe tot aufgefunden. Diese stark schwankenden Zahlen sowohl bei der Jagdstrecke wie auch bei den Fallwildzahlen des Winters zeigen eine grosse Dynamik, welcher die Rehbestände unterliegen.» Dem ist nichts beizufügen. 


Hier noch die Resultate des übrigen (noch) jagdbaren Wildes: 8 Feldhasen (2008: 4, 2007: 5, 2006: 8), 27 Schneehasen (31/27/42). 5 Birkhähne (3/1/6). 


Zum Schluss noch Ungereimtes 

Der Abschuss eines Hirsches zur Nachtzeit im Siedlungsbereich der Ortschaft Haslen (= Freiberg Kärpf) durch einen Wildhüter gab zu Diskussionen, Kritik und Fragen Anlass. Gemäss Bundesjagdgesetz und kantonaler Jagdverordnung ist der Abschuss von Schalenwild zur Nachtzeit und mit künstlichen Lichtquellen (?) verboten. Mindestens die Jäger dürfen dies nicht, und dieses Vergehen würde mit dem sofortigen Entzug der Jagdberechtigung geahndet. Die ganze unwürdige Angelegenheit warf in der Dorfbevölkerung, welche nicht nur aus Jägern besteht, hohe Wellen und wird (muss) noch in politischen Gremien behandelt werden. Der Schreibende hat diesen leidigen Vorfall bewusst nicht in die kantonale Presse gebracht, weil sonst sowieso wieder die ganze Jägerschaft in der Kritik gestanden hätte. Dass sich der betreffende Wildhüter mit dem Hinweis zu rechtfertigen sucht(e), dass die Jäger ja auch Füchse, Dachse und Marder während der Nacht schiessen würden, zeigt, dass dieser Mann den Beruf verfehlt hat. Oder sonst müsste er raschmöglichst seine Berufsbezeichnung von «Wildhüter» auf «Wildtöter» umbenennen. Im Königlich-Kaiserlich-Regierungsrätlichen Hofjagdrevier Freiberg Kärpf sollte es doch möglich sein, den Abschuss gemäss gesetzlichen Vorschriften und jagdethischen Grundsätzen zu erfüllen!? 


Und eben in diesen «Staatsjagdrevieren», sprich Freiberg Kärpf und Schongebiet Schilt, wurden im November und Dezember wieder Reduktionsjagden auf Rotwild durchgeführt unter der Leitung der Wildhüter und mit Beizug der 76 angemeldeten Jäger. Voraussetzung für die Teilnahme an diesen Jagden ist gemäss Reglement «keine jagdlichen oder fischereirechtlich bedingten Verzeigungen, Ermahnungen, Administrativverfahren  sowie Patententzüge in den letzten fünf Jahren». Diese Verweigerungsgründe erklären hoffentlich nicht das geringe Interesse von nur 76 Jägern bei 388 Patentbezügern.  


Neu war 2009 die versuchte Ansitzjagd nicht nur auf Hirsche, sondern auch auf Gäms- und Rehwild. Die zuständigen kantonalen Wildhüter bestimmen situativ die Abschussvorgaben, insbesondere Wildart, Anzahl, Altersklasse und Geschlecht (Art. 7 Abs. 2 des Reglements). Diese Jagden werden aber korrekt weidmännisch und sauber durchgeführt, gibt es doch praktisch keine Nach-, höchstens Kontrollsuchen. Selbst war ich bei einer einzigen solchen Jagd im Jagdbanngebiet Schild dabei, wo unter der tadellosen  Leitung von Wildhüter Hans Fischli vier Stück Rotwild - ein Spiesser, drei Kälber - erlegt wurden. Dabei konnte der Schreibende ein altkrankes Hirschkalb (Laufbruch, siehe Foto) mit gerade 23 Kilo erlegen, was einem erfreulichen Hegeabschuss gleichkam. 


Nun ist es Winter geworden im Lande Fridolins, mit stark schwankenden Temperaturen und Schneehöhen. Mögen die gegenüber früher (1970 bis 1998) stark gesunkenen Bestände von Gämsen und Rehen diesen Winter gut überstehen - und dass die Wildhüter auch die Hirsche vor der Seuche der unbelehrbaren Hirschstangensucher (darunter auch Jäger) schützen können! 


Mathias Oeler, Mollis 
Ehrenpräsident Diana/GJV

Vereinsnachrichten

An dieser Stelle publizieren wir neu Nachrichten aus den Jagdvereinen als Ergänzung zum "Sammelplatz".

 

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JAGD&NATUR

Ausgabe 08/2010

 

 

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